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Verlängerung der ersten Rückenflosse beim Männchen (Fig. 29). W. Saville Kent macht die Bemerkung: „dieser sonderbare Anhang scheint, nach meinen Beobachtungen über diese Species in der Gefangenschaft, demselben Zwecke zu dienen, wie die Fleischlappen, Federbüsche und andern abnormen Anhänge der Männchen bei hühnerartigen Vögeln, dem Zwecke nämlich, ihre Genossen zu bezaubern".[1] Die jungen Männchen gleichen in ihrer Structur und Farbe den erwachsenen Weibchen. In der ganzen Gattung Callionymus[2] ist das Männchen allgemein viel glänzender gefleckt als das Weibchen, und bei mehreren Species ist nicht bloss die Rückenflosse, sondern auch die Afterflosse des Männchens bedeutend verlängert.

Das Männchen des Seescorpions (Cottus scorpio) ist schlanker und kleiner als das Weibchen. Es besteht auch eine grosse Verschiedenheit in der Färbung zwischen den Geschlechtern. „Für Jeden, der diesen Fisch nicht während der Laichzeit, wo seine Färbung am glänzendsten ist, beobachtet hat, ist es", wie Mr. Lloyd[3] bemerkt, „schwierig, sich eine Vorstellung von der Mischung von brillanten Farben zu machen, mit welchen derselbe, der in andern Beziehungen so wenig begünstigt ist, um diese Zeit verziert ist". Bei Labrus mixtus sind beide Geschlechter schön, trotzdem sie in der Färbung sehr verschieden sind: das Männchen ist orange mit hellblauen Streifen und das Weibchen hellroth mit einigen schwarzen Flecken auf dem Rücken.

In der sehr ausgezeichneten Familie der Cyprinodonten, Bewohner auswärtiger Süsswässer, weichen die Geschlechter zuweilen bedeutend in verschiedenen Merkmalen von einander ab. Bei dem Männchen von Mollienesia petenensis[4] ist die Rückenflosse bedeutend entwickelt und mit einer Reihe grosser runder, augenförmiger, hellgefärbter Flecke gezeichnet, während dieselbe Flosse beim Weibchen kleiner, von verschiedener Form und nur mit unregelmässigen gekrümmten braunen Flecken gezeichnet ist. Bei den Männchen ist auch der basale Rand der Afterflosse ein wenig vorgezogen und dunkel gefärbt. Bei den Männchen einer verwandten Form, des Xiphophorus Hellerii


  1. Nature, July, 1873, p. 264.
  2. Catalogue of Acanthopter. Fishes in the British Museum by Dr. Günther. 1861, p. 138—151.
  3. Game Birds of Sweden etc. 1867, p. 466.
  4. In Bezug auf diese und die folgenden Species bin ich Dr. Günther für Information verbunden, s. auch dessen Aufsatz über die Fische von Central-America in: Transact. Zoolog. Soc. Vol. VI. 1868, p. 485.
Empfohlene Zitierweise:

Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl, II. Band. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1875, Seite 8. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAbstammungMensch2.djvu/22&oldid=1669417 (Version vom 9.10.2011)