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wir können aber kaum vermuthen, dass steife Haare und biegsame Filamente in irgend einer gewöhnlichen Weise allein den Männchen von Nutzen sein könnten. Bei jenem fremdartigen, monströs aussehenden Fische, der Chimaera monstrosa, hat das Männchen einen hakenförmigen Knochen auf der Spitze des Kopfes, welcher nach vorwärts gerichtet und an seinem abgerundeten Ende mit scharfen Dornen bedeckt ist; beim Weibchen „fehlt diese Krone vollständig"; was aber ihr Gebrauch sein mag, ist völlig unbekannt.[1]

Die Gebilde, die bis jetzt erwähnt wurden, sind beim Männchen, nachdem es zur Reife gekommen ist, permanent; aber bei einigen Arten von Blennius und bei einer andern verwandten Gattung[2] entwickelt sich ein Kamm auf dem Kopfe des Männchens nur während der Paarungszeit, auch wird der Körper der Männchen zu derselben Zeit heller gefärbt. Es lässt sich nur wenig zweifeln, dass dieser Kamm als ein temporäres geschlechtliches Ornament dient; denn das Weibchen zeigt auch nicht eine Spur davon. Bei andern Arten der nämlichen Gattung besitzen beide Geschlechter einen Kamm und mindestens bei einer Species ist keines von beiden Geschlechtern damit versehen. Bei vielen Chromiden, z. B. bei Geophagus und besonders bei Cichla, haben die Männchen, wie ich von Professor Agassiz höre,[3] eine auffallende Protuberanz am Vorderkopfe, welche bei den Weibchen und den jungen Männchen vollständig fehlt. Professor Agassiz fügt hinzu: „Ich habe diesen Fisch häufig zur Zeit des Laichens beobachtet, wo die Protuberanz am grössten ist, ebenso zu andern Jahreszeiten, wo dieselbe vollständig fehlt und die beiden Geschlechter in der Contur des Profils ihres Kopfes durchaus keine Verschiedenheit von einander zeigen. Ich konnte durchaus nicht mit Sicherheit bestimmen, dass diese Hervorragung irgend einer speciellen Function diene, und die Indianer am Amazonenstrome wissen über ihren Gebrauch nichts". Diese Protuberanzen gleichen in ihrem periodischen Erscheinen den fleischigen Carunkeln an den Köpfen gewisser Vögel, ob sie aber als Ornamente von Nutzen sind, muss für jetzt zweifelhaft bleiben.


  1. F. Buckland, in: Land and Water. July, 1868, p. 377, mit einer Abbildung. Es liessen sich noch viele andere Fälle von nur den Männchen eigenthümlichen Bildungen, deren Gebrauch unbekannt ist, anführen.
  2. Dr. Günther, Catalogue of Fishes etc. Vol. III. p. 221 und 240.
  3. s. auch Prof. and Mrs. Agassiz, a Journey in Brazil. 1868, p. 220.
Empfohlene Zitierweise:

Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl, II. Band. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1875, Seite 10. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAbstammungMensch2.djvu/24&oldid=1671594 (Version vom 12.10.2011)