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Geschlechter der hellgefärbten Arten zusammen beim Aufbau ihrer Nester aus Seegras, Muscheln u. s. w.[1] Aber bei gewissen Fischen verrichten die Männchen alle Arbeit und übernehmen auch später die ausschliessliche Sorge für die Jungen. Dies ist der Fall bei den dunkel gefärbten Meergrundeln,[2] bei denen die Geschlechter soviel man weiss in der Farbe nicht von einander verschieden sind, und ebenfalls bei den Stichlingen (Gasterosteus), bei welchen die Männchen während der Laichzeit brillant gefärbt werden. Das Männchen des glattschwänzigen Stichlings (G. leiurus) verrichtet eine lange Zeit hindurch die Pflichten einer Wärterin mit exemplarischer Sorgfalt und Wachsamkeit und ist beständig thätig, die Jungen sanft zum Nest zurückzuleiten, wenn sie sich zu weit entfernen. Muthig treibt dasselbe alle Feinde fort mit Einschluss der Weibchen seiner eigenen Species. Es würde in der That für das Männchen kein geringer Trost sein, wenn das Weibchen nach Ablegung seiner Eier sofort von irgend einem Feinde gefressen würde, denn das Männchen ist gezwungen, es beständig von dem Neste fortzutreiben.[3]

Die Männchen gewisser anderer Fische, welche Südamerica und Ceylon bewohnen und zu zwei verschiedenen Ordnungen gehören, haben die ausserordentliche Gewohnheit, die von den Weibchen gelegten Eier innerhalb des Mundes oder der Kiemenhöhlen auszubrüten.[4] Bei den Species vom Amazonenstrome, welche diese Gewohnheit haben, sind, wie mir Professor Agassiz freundlich mitgetheilt hat, „die Männchen nicht bloss gewöhnlich heller als die Weibchen, sondern es ist auch diese Verschiedenheit zur Laichzeit grösser als zu irgend einer andern Zeit". Die Species von Geophagus handeln in derselben Weise, und bei dieser Gattung wird eine auffallende Protuberanz am Vorderkopfe der Männchen während der Brütezeit entwickelt. Bei den verschiedenen Species von Chromiden lassen sich, wie mir gleichfalls Professor Agassiz mitgetheilt hat, geschlechtliche Differenzen in der Farbe


  1. Nach den Beobachtungen von Gerbe. s. Günther's Record. of Zoolog. Literature. 1865, p. 194.
  2. Cuvier, Règne animal. Vol. II, 1829. p. 242.
  3. s. Mr. Warington's äusserst interessante Beschreibung der Lebensweise von Gasterosteus leiurus in: Ann. and Magaz. of Natur. Hist. 2. Ser. Vol. XVI. 1855, p. 330.
  4. Prof. Wyman, in: Proceed. Boston Soc. of Natur. Hist, 15. Sept., 1857. s. auch W. Turner, in: Journal of Anatomy and Physiol., 1. Nov., 1866, p. 78. Dr. Günther hat gleichfalls noch weitere Fälle beschrieben.
Empfohlene Zitierweise:

Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl, II. Band. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1875, Seite 18. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAbstammungMensch2.djvu/32&oldid=1671602 (Version vom 12.10.2011)