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beobachten, „mögen die Arten ihre Eier im Wasser um die Wasserpflanzen herum oder in Höhlungen legen, wonach sie dieselben beim Ausschlüpfen, ohne weitere Sorge für sie zu haben, sich selbst überlassen, oder mögen sie flache Nester in den Flussschlamm bauen, auf denen sie dann sitzen, wie unsere Pomotis es thut. Es ist auch zu beachten, dass diese Nestsitzer zu den hellsten Species ihrer betreffenden Familien gehören; so ist z. B. Hygrogonus hellgrün mit grossen schwarzen, von dem brillantesten Roth eingefassten Augenflecken". Ob bei allen den Species von Chromiden das Männchen allein es ist, welches auf den Eiern sitzt, ist nicht bekannt. Es ist indessen offenbar, dass die Thatsache, ob die Eier beschützt werden oder unbeschützt bleiben, wenig oder gar keinen Einfluss auf die Verschiedenheiten in der Farbe zwischen den beiden Geschlechtern geäussert hat. Offenbar würde auch ferner in allen den Fällen, in denen die Männchen ausschliesslich die Sorge um das Nest und die Jungen übernehmen, die Zerstörung der heller gefärbten Männchen von einem viel grösseren Einflusse auf den Character der Rasse sein als die Zerstörung der heller gefärbten Weibchen. Denn der Tod des Männchens während der Periode der Bebrütung oder Aufzucht würde den Tod der Jungen mit sich führen, so dass diese dessen Eigenthümlichkeiten nicht erben könnten; und doch sind in vielen dieser selben Fälle die Männchen auffallender gefärbt als die Weibchen.

Bei den meisten Lophobranchiern (Meernadeln, Seepferdchen u. s. w.) haben die Männchen entweder marsupiale Taschen oder halbkugelige Vertiefungen am Abdomen, in welchen die von den Weibchen gelegten Eier ausgebrütet werden. Auch zeigen die Männchen grosse Anhänglichkeit an ihre Jungen.[1] Die Geschlechter weichen gewöhnlich nicht sehr in der Färbung von einander ab; doch glaubt Dr. Günther, dass die männlichen Hippocampi eher heller sind als die weiblichen. Die Gattung Solenostoma bietet indessen einen sehr merkwürdigen exceptionellen Fall dar.[2] Hier ist das Weibchen viel lebhafter gefärbt und gefleckt als das Männchen und nur das Weibchen hat eine marsupiale Tasche und brütet die Eier aus, so dass das Weibchen von Solenostoma von allen übrigen Lophobranchiern in dieser


  1. Yarrell, Hist. of British Fishes. Vol. II. 1830, p. 329, 338.
  2. Seit dem Erscheinen des Werks: The Fishes of Zanzibar by Col. Plaifair, 1866, worin p. 137 diese Art beschrieben ist, hat Dr. Günther die Exemplare nochmals untersucht und mir die oben mitgetheilten Bemerkungen gegeben.
Empfohlene Zitierweise:

Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl, II. Band. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1875, Seite 19. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAbstammungMensch2.djvu/33&oldid=1673386 (Version vom 16.10.2011)