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Die Jungen sind düster gefärbt. Die Eier werden während des Acts des Eierlegens befruchtet und werden in der Folge weder vom Vater noch von der Mutter weiter besorgt. Wir können daher schliessen, dass die Männchen ihre scharf gezeichneten Färbungen und ornamentalen Anhänge durch geschlechtliche Zuchtwahl erlangt haben, und dass diese dann entweder allein auf die männlichen Nachkommen oder auf beide Geschlechter überliefert worden sind.

Anura oder Batrachia. — Bei vielen Fröschen und Kröten dienen die Farben offenbar zum Schutze, wie es die hellgrünen Farben bei Laubfröschen und die düster gefleckten Zeichnungen vieler auf der Erde lebenden Arten thun. Die am auffallendsten gefärbte Kröte, welche ich je gesehen habe, nämlich der Phryniscus nigricans,[1] war auf der ganzen oberen Fläche des Körpers so schwarz wie Tinte, während die Sohlen der Füsse und Theile des Abdomen mit dem hellsten Carmoisin gefleckt waren. Sie kroch auf den weiten, sandigen oder offenen Grasebenen von La Plata unter einer glühenden Sonne herum und musste den Blick jedes vorüberkommenden Wesens auf sich ziehen. Diese Farben können für die Kröte eine Wohlthat sein dadurch, dass sie allen Raubvögeln sofort anzeigen, dass dieselbe ein ekelerregender Bissen ist.

In Nicaragua gibt es einen kleinen Frosch, „hell in Roth und Blau angethan", welcher sich nicht wie die meisten andern Arten verbirgt, sondern bei Tage herumhüpft. Mr. Belt sagt,[2] dass er, sobald er sein glückliches Gefühl der Sicherheit gesehen habe, auch überzeugt gewesen sei, dass er ungeniessbar sei. Nach verschiedenen Versuchen gelang es ihm, eine junge Ente dazu zu verführen, einen jungen Frosch zu schnappen, er wurde aber augenblicklich wieder ausgeworfen „und die Ente gieng herum, ihren Kopf schüttelnd, als versuche sie irgend einen unangenehmen Geschmack loszuwerden".

Was geschlechtliche Verschiedenheiten betrifft, so kennt Dr. Günther bei Fröschen und Kröten kein auffallendes Beispiel; doch kann er häufig das Männchen von dem Weibchen dadurch unterscheiden, dass die Färbung des ersteren ein wenig mehr intensiv ist. Auch kennt Dr. Günther keine auffallende Verschiedenheit in der äusseren
  1. Zoology of the Voyage of the „Beagle". 1843. Reptiles, by Mr. Bell, p. 49.
  2. The Naturalist in Nicaragua, 1874, p. 321.
Empfohlene Zitierweise:

Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl, II. Band. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1875, Seite 23. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAbstammungMensch2.djvu/37&oldid=1709577 (Version vom 29.10.2011)