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beiden Seiten des Halses in der Nähe der Mundwinkel nach aussen hervorragen". Der Ruf des Männchens wird hierdurch ausserordentlich kräftig gemacht, während der des Weibchens nur ein unbedeutendes, knurrendes Geräusch ist.[1] Die Stimmorgane weichen in ihrer Structur auch beträchtlich bei den verschiedenen Gattungen der Familie ab und ihre Entwickelung kann in allen Fällen geschlechtlicher Zuchtwahl zugeschrieben werden.

Reptilien.

Chelonia oder Schildkröten. — Meer- und Landschildkröten bieten keine gut ausgesprochenen geschlechtlichen Verschiedenheiten dar. Bei manchen Species ist der Schwanz des Männchens länger als der des Weibchens. Bei manchen ist das Plastron oder die untere Hälfte des Knochenpanzers beim Männchen unbedeutend concav in Beziehung zum Rücken des Weibchens. Das Männchen der Schlammschildkröte der Vereinigten Staaten (Chrysemys picta) hat an seinen Vorderfüssen Krallen, welche zweimal so lang sind, wie diejenigen des Weibchens, und diese werden gebraucht, wenn sich die Geschlechter verbinden.[2] Bei den ungeheueren Schildkröten der Galapagosinseln (Testudo nigra) sollen, wie man sagt, die Männchen zu einer bedeutenderen Grösse heranwachsen als die Weibchen. Während der Paarungszeit und zu keiner anderen bringt das Männchen ein heiseres, blasendes Geräusch hervor, welches in einer Entfernung von mehr als hundert Yards gehört werden kann; das Weibchen dagegen braucht seine Stimme niemals.[3]

Von der Testudo elegans von Indien sagt man, „dass die Kämpfe der Männchen aus ziemlicher Entfernung gehört werden können, in Folge des Lärms, den sie beim Stossen auf einander hervorbringen“.[4]

Crocodilia. — Die Geschlechter weichen, wie es scheint, in der Farbe nicht von einander ab; ich weiss auch nicht, ob die Männchen mit einander kämpfen, obschon dies wahrscheinlich ist; denn manche Arten führen wunderbare Vorstellungen vor den Weibchen auf. Bartram[5] beschreibt, dass der männliche Alligator bestrebt ist, sich das
  1. Bell, a. a. O. p. 112—114.
  2. C. J. Maynard, in: The American Naturalist. Dec. 1869, p. 555.
  3. s. mein Journal of Researches during the Voyage of the Beagle. 1845, p. 384.
  4. Dr. Günther, Reptiles of British India, 1864, p. 7.
  5. Travels through Carolina etc. 1791, p. 128.
Empfohlene Zitierweise:

Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl, II. Band. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1875, Seite 25. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAbstammungMensch2.djvu/39&oldid=1709536 (Version vom 29.10.2011)