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Weibchen dadurch zu gewinnen, dass er in der Mitte einer Lagune sich herumtummelt und brüllt. Dabei ist er „in einem Grade geschwollen, dass er dem Platzen nahe ist; seinen Kopf und Schwanz in die Höhe gehoben, dreht und treibt er sich auf der Oberfläche des Wassers herum wie ein Indianerhäuptling, der seine Kriegstänze einstudirt". Während der Paarungszeit geben die Unterkieferdrüsen des Crocodils einen moschusartigen Geruch von sich, der seine Aufenthaltsorte durchzieht.[1]

Ophidia. — Dr. Günther theilt mir mit, dass die Männchen immer kleiner als die Weibchen sind und allgemein längere und schlankere Schwänze haben; er kennt aber keine andere Differenz ihrer äusseren Bildung. Was die Farbe betrifft, so kann Dr. Günther beinahe immer das Männchen vom Weibchen durch seine schärfer hervortretenden Färbungen unterscheiden. So ist das schwarze Zickzackband auf dem Rücken der männlichen ägyptischen Viper deutlicher ausgedrückt als bei der weiblichen. Die Verschiedenheit ist bei den Klapperschlangen von Nordamerica noch viel deutlicher, deren Männchen, wie mir der Wärter im zoologischen Garten zeigte, augenblicklich von dem Weibchen dadurch unterschieden werden kann, dass es am ganzen Körper mehr schmutzig-gelb ist. In Südafrica bietet der Bucephalus capensis eine analoge Verschiedenheit dar, denn „das Weibchen ist niemals so voll mit Gelb an den Seiten gefleckt als das Männchen".[2] Auf der andern Seite ist das Männchen der indischen Dipsas cynodon schwärzlich braun mit einem zum Theil schwarzen Bauch, während das Weibchen röthlich oder gelblich-olivenfarben ist und einen entweder gleichförmig gelblichen oder mit Schwarz marmorirten Bauch hat. Bei Tragops dispar desselben Landes ist das Männchen hellgrün und das Weibchen bronzefarbig.[3] Ohne Zweifel dienen die Farben einiger Schlangen zum Schutze, wie die grünen Färbungen der Baumschlangen und die verschieden gefleckten Färbungen der Species, welche an sandigen Orten leben. Es ist aber zweifelhaft, ob die Farben vieler Arten, so z. B. der gemeinen englischen Schlange und Viper, dazu dienen, sie zu verbergen; und dies ist noch zweifelhafter bei den vielen ausländischen Arten, welche mit äusserster Eleganz
  1. Owen. Anatomy of Vertebrates. Vol. I. 1866, p. 615.
  2. Sir Andrew Smith, Zoology of South Africa. Reptilia. 1849, pl. X.
  3. Dr. A. Günther, Reptiles of British India. Ray Society. 1864, p. 304, 308.
Empfohlene Zitierweise:

Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl, II. Band. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1875, Seite 26. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAbstammungMensch2.djvu/40&oldid=1709522 (Version vom 29.10.2011)