Seite:DarwinAbstammungMensch2.djvu/53

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daran, dass der Rasen leicht niedergetreten ist. Hier kämpfen diese Läufer fast so wie Kampfhähne, ergreifen einander mit ihren Schnäbeln und schlagen sich mit ihren Flügeln. Der runde Federkragen rund um ihren Hals wird dann aufgerichtet und dient der Angabe des Colonel Montagu zufolge den Thieren wie ein Schild, um „auf dem Boden hinstreichend die zarteren Theile zu schützen". Dies ist auch das einzige mir bekannte Beispiel bei Vögeln von irgend einer Bildung, welche als ein Schild dient. Indessen dient dieser Federkragen wegen seiner verschiedenartigen reichen Färbungen wahrscheinlich hauptsächlich zur Zierde. Wie die meisten kampfsüchtigen Vögel scheinen sie jederzeit zum Kampfe bereit zu sein und wenn sie in enger Gefangenschaft mit einander leben, tödten sie sich oft. Montagu beobachtete aber, dass ihre Kampflust während des Frühjahrs grösser wird, wo die langen Federn an ihrem Halse vollständig entwickelt sind; und zu dieser Zeit ruft die geringste Bewegung von irgend einem Vogel einen allgemeinen Kampf hervor.[1] Für die Kampflust der mit Schwimmfüssen versehenen Vögel werden zwei Beispiele genügen. In Guyana „kommen blutige Kämpfe zur Paarungszeit zwischen den Männchen der wilden Moschusente (Cairina moschata) vor, und da wo diese Kämpfe gefochten worden sind, ist der Fluss eine Strecke lang mit Federn bedeckt".[2] Selbst Vögel, welche für einen Kampf nur schlecht ausgerüstet zu sein scheinen, beginnen heftige Kämpfe. So treiben unter den Pelicanen die stärkeren Männchen stets die schwächeren fort, schnappen nach ihnen mit ihren grossen Schnäbeln und geben ihnen heftige Schläge mit ihren Flügeln. Männliche Becassinen kämpfen zusammen, „stossen und treiben einander mit ihren Schnäbeln in einer Weise, wie sie merkwürdiger kaum gedacht werden kann". Von einigen wenigen Arten glaubt man, dass sie niemals kämpfen. Dies ist nach Audubon mit einem der Spechte der Vereinigten Staaten (Picus auratus) der Fall, obgleich „die Weibchen von einer Anzahl, bis zu einem halben Dutzend, ihrer muntern Liebhaber verfolgt werden".[3]

Die Männchen vieler Vögel sind grösser als die Weibchen, und



  1. Macgillivray, History of British Birds. Vol. IV. 1852, p. 177–181.
  2. Sir R. Schomburgk, in: Journal of R. Geograph. Soc. Vol. XIII. 1843, p. 31.
  3. Ornithological Biography. Vol. I, p. 191. Wegen der Pelicane und Becassinen s. ebenda. Vol. III, p. 381, 477.
Empfohlene Zitierweise:

Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl, II. Band. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1875, Seite 39. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAbstammungMensch2.djvu/53&oldid=1670093 (Version vom 9.10.2011)