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beweisen, mehrere Balzplätze an einem Morgen besuchen, welche in aufeinanderfolgenden Jahren immer dieselben bleiben.[1]

Der Pfauhahn erscheint mit seiner langen Schwanzschleppe mehr wie ein Stutzer als ein Krieger, doch tritt auch er zuweilen in heftige Kämpfe ein. Mr. W. Darwin Fox theilt mir mit, dass zwei Pfauhähne, während sie in einer geringen Entfernung von Chester mit einander kämpften, so aufgeregt wurden, dass sie über die ganze Stadt hinweg immer noch kämpfend flogen, bis sie sich auf der Spitze von St. John’s Thurm niederliessen.

Der Sporn ist bei denjenigen hühnerartigen Vögeln, welche damit versehen sind, im Allgemeinen einfach, aber Polyplectron (s. Fig. 51 S. 81) hat zwei oder selbst mehr an einem Beine, und es ist beobachtet worden, dass einer der Blutfasane (Ithaginis cruentus) fünf Sporne hatte. Die Sporne sind allgemein auf das Männchen beschränkt und werden beim Weibchen durch blosse Höcker oder Rudimente repräsentirt; doch besitzen die Weibchen des javanischen Pfaus (Pavo muticus) und, wie mir Mr. Blyth mittheilt, die Weibchen des kleinen rothrückigen Fasans (Euplocamus erythrophthalmus) Sporne. Bei Galloperdix hat gewöhnlich das Männchen zwei Sporne und das Weibchen nur einen Sporn an jedem Beine.[2] Man kann daher die Sporne getrost als einen männlichen Character ansehen, welcher gelegentlich in grösserem oder geringerem Grade auf die Weibchen übertragen ist. Wie die meisten andern secundären Sexualcharactere sind die Sporne äusserst variabel sowohl in ihrer Zahl als in ihrer Entwickelung bei einer und derselben Species.

Verschiedene Vögel haben Sporne an ihren Flügeln. Aber die ägyptische Gans (Chenalopex aegyptiacus) hat nur nackte, stumpfe Höcker, und dies zeigt uns wahrscheinlich die erste Stufe, aus welcher echte Sporne sich bei andern verwandten Vögeln entwickelt haben. Bei der spornflügeligen Gans (Plectropterus gambensis) haben die Männchen viel grössere Sporne als die Weibchen und sie benutzen dieselben, wie mir Mr. Bartlett mittheilt, bei ihren Kämpfen unter einander, so dass in diesem Falle die Flügelspornen als geschlechtliche Waffen dienen;



  1. Brehm, Illustrirtes Thierleben. 1867. Bd. 4, S. 351. Einige der oben mitgetheilten Angaben sind entnommen aus L. Lloyd, The Game Birds of Sweden etc. 1867, p. 79.
  2. Jerdon, Birds of India: über Ithaginis. Vol. III, p. 523; über Galloperdix, p. 541.
Empfohlene Zitierweise:

Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl, II. Band. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1875, Seite 42. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAbstammungMensch2.djvu/56&oldid=1670478 (Version vom 10.10.2011)