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muss die australische Gattung Menura ausgenommen werden, denn die Menura Alberti, welche ungefähr die Grösse eines halberwachsenen Truthahns hat, ahmt nicht bloss andere Vögel nach, sondern es ist auch „ihr eigenes Pfeifen ausserordentlich schön und mannichfaltig.“ Die Männchen versammeln sich wie zu einer Concertprobe, wo sie singen und ihre Schwänze aufheben und auseinanderbreiten wie Pfauen und ihre Flügel sinken lassen.[1] Es ist auch merkwürdig, dass die Vögel, welche singen, selten mit brillanten Farben oder andern Zierrathen geschmückt sind. Von unsern britischen Vögeln sind, mit Ausnahme des Gimpels und des Stieglitz, die besten Sänger einfach gefärbt. Die Eisvögel, Bienenfresser, Raken, Wiedehopfe, Spechte u. s. w. stossen harsche Geschreie aus, und die brillanten Vögel der Tropenländer sind kaum jemals Sänger.[2] Es scheinen daher glänzende Färbungen und das Vermögen zu singen einander zu ersetzen. Wir können wohl einsehen, dass, wenn das Gefieder nicht in seinem Glanze variirte oder wenn helle Farben für die Art gefährlich waren, andere Mittel haben angewendet werden müssen, das Weibchen zu bezaubern; und eine melodische Stimme bietet eines dieser Mittel dar.

Bei einigen Vögeln sind die Stimmorgane je nach den Geschlechtern sehr von einander verschieden. Bei Tetrao cupido (Fig. 39) hat das Männchen zwei nackte, orange gefärbte Säcke, einen auf jeder Seite des Halses, und diese werden stark aufgeblasen, wenn das Männchen während der Paarungszeit seinen merkwürdig hohlen, in einer grossen Entfernung hörbaren Laut ausstösst. Audubon hat nachgewiesen, dass der Laut innig mit diesem Apparate in Verbindung steht, welcher uns an die Luftsäcke an jeder Seite des Kopfes bei gewissen männlichen Fröschen erinnert; denn er fand, dass der Laut bedeutend vermindert wurde, wenn einer der Säcke bei einem zahmen Vogel angestochen war, und waren beide angestochen, so hörte er vollständig auf. Das Weibchen hat „eine etwas ähnliche, wenn auch kleinere nackte Hautstelle am Halse, aber sie kann nicht aufgeblasen werden“.[3] Das Männchen einer andern Art von Waldhuhn (Tetrao



  1. Gould, Handbook to the Birds of Australia. Vol. I. 1865, p. 308–310. s. auch T. W. Wood, in dem „Student“, April, 1870, p. 125.
  2. s. Bemerkungen hierüber in: Gould, Introduction to the Trochilidae 1861, p. 22.
  3. Major W. Ross King, The Sportsman and Naturalist in Canada. 1866, p. 144–146. Mr. T. W. Wood gibt im „Student“ (April, 1876, p. 116) eine ausgezeichnete Schilderung der Stellungen und Gewohnheiten dieses Vogels während seiner Brautwerbung. Er führt an, dass die Ohrbüschel oder Halsschmuckfedern aufgerichtet werden, so dass sie sich oberhalb des Kopfes treffen, s. seine Abbildung, Fig. 39.
Empfohlene Zitierweise:

Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl, II. Band. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1875, Seite 51. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAbstammungMensch2.djvu/65&oldid=1670532 (Version vom 10.10.2011)