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Nähe des Seelenorgans entspringen, zum Theil aber auch, weil diese Muskeln zu Stützen der Sinnesorgane dienen.“ (S. 26.) Wenn Dr. Piderit das Werk Sir Ch. Bell's studirt hätte, würde er wahrscheinlich nicht gesagt haben (S. 101), daß heftiges Lachen deshalb ein Runzeln der Stirne verursache, weil es in seiner Art etwas mit dem Schmerz Gemeinsames habe, oder daß bei kleinen Kindern die Thränen die Augen reizen (S. 103) und dadurch die Zusammenziehung der umgebenden Muskeln veranlassen. Doch sind manche gute Bemerkungen durch das Buch zerstreut, auf welche ich mich später beziehen werde.

Kurze Erörterungen über den Ausdruck sind in verschiedenen Werken zu finden, welche hier nicht einzeln angeführt zu werden brauchen. Dagegen hat Mr. Bain in zweien seiner Werke den Gegenstand mit einiger Ausführlichkeit behandelt. Er sagt:[1] „Ich betrachte den sogenannten Ausdruck als Theil und Stück des Gefühls. Ich glaube, es ist ein allgemeines Gesetz des Geistes, daß in Verbindung mit der Thatsache des inneren Fühlens oder des Bewußtseins eine diffusive Thätigkeit oder Erregung auf die Glieder des Körpers ausgeht.“ An einer andern Stelle fügt er hinzu: „eine sehr beträchtliche Zahl von Thatsachen kann unter den folgenden Grundsatz gebracht werden, daß nämlich Zustände des Vergnügens mit einer Erhöhung und Zustände des Schmerzes mit einer Herabstimmung einiger oder aller Lebensfunctionen in Zusammenhang stehen.“ Das oben erwähnte Gesetz der diffusiven Thätigkeit der Empfindungen scheint aber zu allgemein zu sein, um auf specielle Ausdrucksformen viel Licht zu werfen.

Mr. Herbert Spencer macht bei Behandlung der Empfindungen in seinen „Grundzügen der Psychologie“ (1855) die folgenden Bemerkungen; „Furcht drückt sich, wenn sie stark ist, in Schreien aus, in Versuchen, sich zu verbergen oder zu entfliehen, in Zuckungen und Zittern; und dies sind gerade die Erscheinungen, welche das wirkliche Erfahren des gefürchteten Übels begleiten würden. Die zerstörenden Leidenschaften zeigen sich in einer allgemeinen Spannung des Muskelsystems, im Knirschen der Zähne und Vorstrecken der Krallen, in den weit geöffneten Augen und Nasenlöchern, im Knurren;


  1. The Senses and the Intellect. 2 edit. 1864, p. 96 und 288. Die Vorrede zur ersten Auflage dieses Werkes ist vom Juni 1855 datirt. Siehe auch die 2. Auflage von Bain's Werk: „On the Emotions and Will.“
Empfohlene Zitierweise:

Charles Darwin: Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1877, Seite 7. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAusdruck.djvu/13&oldid=1661745 (Version vom 1.10.2011)