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Wirkung und Rückwirkung zwischen diesen beiden bedeutungsvollsten Organen des Körpers besteht.

Das vasomotorische System, welches den Durchmesser der kleinen Arterien regulirt, wird vom Sensorium direct beeinflußt, wie man sehen kann, wenn ein Mensch vor Scham erröthet. Ich glaube aber, daß in diesem letzteren Falle die gehemmte Fortleitung der Nervenkraft zu den Gefäßen des Gesichts theilweise in einer merkwürdigen Art durch Gewohnheit erklärt werden kann. Wir werden auch im Stande sein, etwas wenn auch sehr wenig Licht auf das unwillkürliche Emporsträuben des Haares bei den Erregungen des Schrecks und der Wuth zu werfen. Die Thränenabsonderung hängt ohne Zweifel von dem Zusammenhange gewisser Nervenzellen ab; aber auch hier können wir einige wenige der Schritte verfolgen, durch welche der Abfluß von Nervenkraft den erforderlichen Canälen entlang unter gewissen Seelenerregungen gewohnheitsgemäß geworden ist.


Eine kurze Betrachtung der äußeren Zeichen einiger der heftigeren Empfindungen und Gemüthserregungen wird am besten dazu dienen, uns, wenn auch nur im allgemeinen Umrisse zu zeigen, in welcher complicirten Art und Weise das hier betrachtete Princip der directen Thätigkeit des erregten Nervensystems auf den Körper mit dem Principe gewohnheitsgemäß associirter zweckmäßiger Bewegungen verbunden ist.

Wenn Thiere von einem Anfalle äußersten Schmerzes leiden, so winden sie sich meist in fürchterlichen Verdrehungen herum, und diejenigen, welche gewöhnlich ihre Stimme gebrauchen, stoßen durchdringende Schreie oder Geheul aus. Fast jeder Muskel des Körpers wird in heftige Thätigkeit versetzt. Bei dem Menschen ist der Mund dicht zusammengepreßt, oder gewöhnlicher sind die Lippen zurückgezogen, während die Zähne zusammengepreßt sind oder knirschen. Man sagt, daß in der Hölle „Zähne-klappern“ sei; ich habe das Knirschen der Backenzähne deutlich auch bei einer Kuh gehört, welche sehr heftig an einer Entzündung der Eingeweide litt. Als der weibliche Hippopotamus im zoologischen Garten seine Jungen zur Welt bringen wollte, litt er heftig. Das Thier gieng unaufhörlich herum oder wälzte sich auf den Seiten, öffnete und schloß die Kinnladen und schlug die Zähne aufeinander.[1] Bei dem Menschen starren die Augen


  1. Mr. Bartlett, Notes on the Birth of a Hippopotamus. Proceed. Zoolog. Soc. 1871, p. 255.
Empfohlene Zitierweise:

Charles Darwin: Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1877, Seite 63. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAusdruck.djvu/69&oldid=1655544 (Version vom 20.09.2011)