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aus dem großen ’Walde‘[1]. 22 So gehe nun dahin die Menge, die für nichts geboren ist; gerettet aber bleibe meine Beere, mein Sproß, die ich mit vieler Mühsal bereitet!

Schluß.

23 Wenn du aber noch sieben Tage weiter wartest — faste aber an ihnen nicht[2], 24 sondern geh auf ein Gefilde voller Kräuter, wo noch kein Haus erbaut ist, und genieße dort allein Pflanzen[3] des Feldes; koste kein Fleisch, trinke keinen Wein, sondern [iß] allein Pflanzen, 25 und bete ohne Unterlaß zum Höchsten —, so will ich zu dir kommen und mit dir reden.

Viertes Gesicht.
Zions Trauer und Herrlichkeit.

26 So ging ich, wie er mir befohlen hatte, auf das Gefilde[4] Ardaf[5] und setzte mich dorthin unter die Kräuter; von den Pflanzen des Feldes aß ich und wurde satt von dieser Nahrung. 27 Als ich aber nach sieben Tagen einmal im Grase[6] lag, ward mein Herz bewegt wie zuvor. 28 Da that sich mein Mund auf, und ich begann, vor dem Höchsten zu reden.

Wo bleibt Israels Herrlichkeit?

Ich sprach: 29 Herr, du hast unter uns deine Offenbarung gestiftet[7], an unsere Väter in der Wüste, als sie aus Ägypten kamen und durch die ungangbare und unfruchtbare Wüste zogen; damals hast du gesprochen:

30 Du Israel, höre auf mich:
Same Jakobs, merkt auf meine Worte:

31 Heute säe ich mein Gesetz in euer Herz, das wird in euch Frucht bringen und ihr sollt dadurch[8] ewige Herrlichkeit[9] erwerben. — 32 So empfingen unsere Väter das Gesetz, aber[10] sie bewahrten es nicht; die Satzungen, ’aber‘[11] hielten sie nicht. So ging zwar des Gesetzes Frucht nicht verloren — gewiß, denn es stammt ja von dir —; 33 sie aber, die es empfangen, gingen verloren, weil sie nicht bewahrt hatten, was in sie gesät war. — 34 Nun aber ist doch die Regel: wenn die Erde Samen aufnimmt oder das Meer ein Schiff oder ein Gefäß[12] Speise oder Trank, und dann das Gesäte oder Hineingelassene oder Hineingethane zu Grunde geht, 35 so[13] bleibt doch auch dann die Stätte, dahinein es gethan ist, erhalten. Bei uns ’aber‘[14] ist es ganz anders geschehen: 36 wir, die das Gesetz empfangen, müssen wegen unserer Sünden verloren gehen samt unserem Herzen , in das es gethan ist; 37 das Gesetz aber geht nicht verloren, sondern bleibt in seiner Herrlichkeit[15].


  1. Syr et plantam de silva multa (so auch Ar¹.² Aeth); bei Lat Verwechselung von ὕλη und φιλή (Volkmar).
  2. Weil jetzt die Trauer nicht mehr ziemt; wichtig für den Aufbau des Buchs; vgl. die Einl. S. 348.
  3. Aeth de fructu campi; vgl. Lat V. 26.
  4. quod bezieht sich auf πεδίον (campum).
  5. Ein Feld in der Nähe Babylons, oder vielleicht ein eschatologischer Geheimname: Name der Stätte, da das himmlische Jerusalem offenbar werden soll. Lat M Ardaf, C Ardas, A Ardad, S* Ardat, S** Ardat, Syr Aeth Arphadst; Ar¹ Araat, Ar² Ardat, Arm Ardab. Der Name ist bisher noch nicht mit Sicherheit identifiziert. אַרְדַּג ist ein orientalisches Getreidemaß, als Name eines Feldes wohl denkbar.
  6. χόρτος (Hilg.).
  7. Konstruktion (hebr. Inf. abs.) wie revelans revelatus sum 14,3.
  8. in eo bezieht sich auf νόμος.
  9. Die „ewige Herrlichkeit“, die Israel verheißen ist, ist nach dem Verständnis des Verfassers die von Licht und Glanz und Herrlichkeit strahlende Welt des Himmels = δόξα.
  10. Über nam 32. 33. 37 vgl. zu 4,34.
  11. Syr et praecepta et non perfecerunt ea, hebräischer Stil; vgl. 9,20. 11,44.
  12. vas aliu = σκεῠος ἄλλο, weil auch das Schiff ein σκεῠος (= כְּלׅי) ist.
  13. Wörtlich: so geht dies freilich zu Grunde; der Behälter aber, dahinein es gethan ist, bleibt bestehen; exterminentur und manent (richtiger wäre also maneant) ist abhängig von consuetudo est, ut.
  14. Vgl. zu 6,8.
  15. Das Gesetz bleibt, weil es von Gott, aus dem Himmel kommt, weil es „pneumatisch“ ist (Röm. 7,14), ewig ἐν δόξῃ 2 Kor. 3,7ff. Auch seine Frucht bleibt; aber sie ist — das ewige Verderben der Empfänger! — Die göttliche Antwort auf diese Klage ist das folgende Gesicht, in dem sich Zions zukünftige himmlische Herrlichkeit offenbart. Das Gebet und die Vision passen also aufs Beste zusammen. Der Zusammenhang des Einzelnen im Buche ist überall vortrefflich.
Empfohlene Zitierweise:

Hermann Gunkel (Übersetzer): Das vierte Buch Esra. Mohr Siebeck, Tübingen 1900, Seite 385. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DasVierteBuchEsraGermanGunkelKautzsch2.djvu/55&oldid=1458289 (Version vom 11.02.2011)