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sehen, 30 so bedeutet das: das sind die, die der Höchste für sein[1] Ende vorbehalten: ihre Herrschaft ’wird‘[2] schwach und stürmisch sein, 31 wie du gesehen hast.

Der Löwe aber, der vor deinen Augen mit Gebrüll aus dem Walde hervorgestürzt ist[3], der zum Adler gesprochen und ihm seine Sünden vorgehalten hat, mit allen den Worten[4], die du gehört hast: 32 das ist der Christus[5], den der Höchste bewahrt für das Ende ’der Tage, der aus dem Samen Davids erstehen und auftreten wird, um zu ihnen zu reden‘[6];

er wird ihnen die Gottlosigkeiten vorhalten,
die Ungerechtigkeiten ’strafen‘[7],
die Frevel vor Augen führen[8].

33 Denn er wird sie zunächst lebendig vor Gericht stellen; dann aber, nachdem er sie überwiesen, wird er sie vernichten. 34 Den Rest meines Volkes aber, die in meinem Lande übriggeblieben sind, wird er gnädig erlösen und ihnen Freude verleihen, bis das Ende, der Tag des Gerichtes, kommt, über den ich zu dir am Anfang gesprochen habe.

35 Dies ist der Traum, den du gesehen, und dies ist seine Deutung. 36 Du allein bist würdig gewesen, dies Geheimnis des Höchsten zu erfahren. 37 So schreibe dies Alles, was du gesehen hast, in ein Buch und bewahre es[9] an verborgenem Ort; 38 und lehre es die Weisen deines Volks, von denen du sicher bist, daß ihre Herzen diese Geheimnisse fassen und bewahren können[10]. 39 Du selber harrte hier noch sieben Tage aus, daß du die Offenbarung empfangest, die der Höchste dir noch zu offenbaren geruhen mag. 40 So ging er von mir.

Schluß.

Als nun das Volk gehört hatte, daß die sieben Tage vorüber, aber ich noch immer nicht wieder in der Stadt sei, da kam alles Volk[11], Klein und Groß, zusammen und ging zu mir heraus; sie sprachen zu mir also:

41 Was haben wir gegen dich begangen,
was haben wir dir Übels gethan,

daß du uns so ganz verlassen und dich an diesem Orte niedergelassen hast? 42 Du bist uns ja von allen Propheten allein übergeblieben

wie eine Traube aus der ganzen Lese,
wie eine Leuchte an dunklem Ort[12],
’wie ein Rettungshafen für das Schiff im Sturm‘[13].

43 Oder ist der Leiden noch nicht genug, die uns betroffen haben? 44 Willst du uns noch verlassen, so wäre uns viel besser, wir wären im Brande Zions mit verbrannt! 45 Wir sind ja nicht besser als jene, die dabei umgekommen sind. Und sie weinten laut.

Da antwortete ich ihnen und sprach:

46 Fasse Mut, Israel;
sei nicht traurig, Jakobs Haus!
47 Denn vor dem Höchsten wird euer gedacht[14],
der Allmächtige hat euch nicht ’für immer‘[15] vergessen.

  1. Des Adlers.
  2. Lat M A** Syr Aeth erit.
  3. נֵעוֹר aufgeweckt werden, sich aufmachen.
  4. Im Lat ist omnes sermones eius parallel leonem.
  5. Offenb. Joh. 5,5.
  6. Syr in finem dierum, qui orietur ex semine David, et veniet et loquetur cum eis; vgl. Aeth Ar¹.² Arm.
  7. Syr et super maleficio eorum exprobrabit illos; vgl. Aeth Arm Ar².
  8. Das „Schelten“ geht nach uralter Tradition dem definitiven Gericht über den Feind Gottes vorher; vgl. auch 13,37f., im A. T. גער. Vgl. Schöpfung und Chaos S. 97.
  9. D. h. das im Buch Aufgeschriebene.
  10. 4 Esra ist also wie alle Apokalypsen eine Geheimschrift.
  11. הַכֹּל.
  12. Citiert von 2 Petr. 1,19.
  13. Syr et sicut portus salvationis navi, quando constituta est in tempestate; vgl. Ar¹ Arm.
  14. Dies ist der zurückhaltende Ausdruck der späteren Zeit für das ältere: Der Höchste gedenkt euer. — Nachahmung des Hofstils.
  15. Syr (Arm) in aeternum = εἰς αἰῶνα, Lat in contentione = εἰς ἀγῶνα (Hilg.).
Empfohlene Zitierweise:

Hermann Gunkel (Übersetzer): Das vierte Buch Esra. Mohr Siebeck, Tübingen 1900, Seite 394. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DasVierteBuchEsraGermanGunkelKautzsch2.djvu/64&oldid=2236989 (Version vom 7.09.2014)