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„Du merkst,“ erklärte er darauf, „daß ich hier eine Art Liebestragödie vermute. Olavsen wird uns hierüber auch so ein wenig Auskunft geben können. Ich werde ihn fragen, ob seine Schwester auch vor ihrer Berliner Reise sich ihre Briefe postlagernd senden ließ. Ist dies nicht der Fall gewesen, dann hat sie eben mit jemandem in Berlin, den sie hier kennengelernt hatte, insgeheim Briefe wechseln wollen.“ Wir gingen wieder in die Veranda zurück. Olavsen erklärte auf Harsts Frage, Thora habe erst nach ihrer Rückkehr aus Berlin die „Schrulle“, ihre Postsachen selbst abzuholen und jeden Brief zu verbrennen. „Und die Ausflüge, Herr Doktor? Sind auch die erst seit dem April erfolgt?“ „Ja. Thora kaufte sich im Mai das Motorrad. Es ist eine sehr starke Maschine.“ „Wie oft unternahm sie derartige plötzliche Fahrten?“ „Hm – vier Mal war sie fünf bis sechs Tage abwesend.“ „Fand einer dieser Ausflüge auch nach ihrer Verlobung statt? Die Verlobung war wohl im Juli?“ „Ja – am 28. Juli. Seitdem ist Thora nicht mehr längere Zeit von Hause fortgeblieben.“ Harald blickte sinnend durch das offene Fenster in den klaren Herbsthimmel. „Herr Doktor,“ sagte er dann ernst, „ich bin jetzt schon überzeugt, daß Ihre Schwester hier in Berlin während ihres Aufenthaltes hei Rupertis etwas erlebt hat, das zu ihrem jetzigen Verschwinden in Beziehung steht. Alles weitere wird sich wohl in Saßnitz ergeben.“ |
Max Schraut: Das Geheimnis der Kabine 24. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1922, Seite 9. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Geheimnis_der_Kabine_24.pdf/9&oldid=1753782 (Version vom 16.01.2012)