Seite:Das erste Jahrzehnt der Weltsprache Volapük.djvu/6

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Königsberg erscheinenden Wochenschrift „Tonkunst“ fand dieses Alfabet sehr beifällige Kritik, und die Idee Schleyer’s wurde „eine praktisch eminent wichtige“ und seine geplante „Völkerakademie“ ein „rechtes Friedenswerk des Geistes“ genannt. Auch im „Archiv für Post und Telegraphie“ fand das Weltalfabet Aufnahme.

Von dieser Zeit an verlies Schleyer der Gedanke der Schaffung einer „Weltsprache“ nicht mehr, und fand durch eine im nämlichen Jahre (1878) gemachte Reise durch die österreichischen Länder mit ihrer Vielsprachigkeit neue Nahrung, so daß der Wunsch, diesem Uebel durch eine gemeinsame Verkehrssprache abzuhelfen, seinen Geist bis zum Frühjahre 1879 beschäftigte, wo ihm urplötzlich in einer schlaflosen Märznacht die Lösung dieses Problems wie eine höhere Eingebung vor seinen Augen schwebte. Aus den Notizen, die er sogleich in sein Schreibbüchlein skizzierte, fieng er sodann am 31. März 1879 an, den Entwurf einer Grammatik der Weltsprache niederzuschreiben. So haben wir also obiges Datum als den Geburtstag und das Geburtsjahr von Volapük anzusehen.

Im Folgenden soll nun an der Hand der mir verfügbaren Quellen in chronologischer Reihenfolge gezeigt werden, wie die neue Weltsprache sich entwickelt und allmählich herangewachsen ist, wobei ich mich aber beschränke, die Thatsachen nur kurz zu referieren, soweit sie mir bekannt sind, indem ich hoffe, bei einer anderen Gelegenheit den Anfang und das Wachstum von Volapük in den einzelnen Ländern ausführlich zu behandeln.


Erstes Jahr, 1879.

Die Weltsprache trat in die Welt ein als Frühlingskind, wie wir gesehen, aber als ein Kindlein hilflos und elend; niemand war der ihm seine schützende Hand geboten, niemand hörte auf seine schwache Stimme, es war noch nicht in das Gewand einer – Grammatik eingehüllt, ja es hatte noch nicht