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nur auf grobe Veränderungen gerichtet. Es ist ersichtlich, dass die Prüfung nach Art der Schulexamina, die über die vorhandenen Kenntnisse orientirt, nicht ausreichen kann. Ebenso wenig geben die Methoden, die ein Urtheil über die Geschwindigkeit einfacher seelischer Vorgänge gestatten, genügenden Aufschluss. Am wichtigsten wäre es, das Vermögen der Combination zu prüfen. Rieger[1] hat einige dahin gehende Vorschläge gemacht. Man hat wohl auch leichte Aufgaben nach Art der Räthsel verwendet und ähnliches. Auf jeden Fall wäre es wünschenswerth, wenn die nach dieser Richtung gehenden Bestrebungen allgemeine Unterstützung fänden. Aber auch nach Verbesserung der Methoden wird man sich nicht auf die klinische Prüfung allein verlassen können. Diese wird wohl nie erschöpfend sein, Gemüthszustände können störend eingreifen, kurz die Beobachtung des Menschen unter den Verhältnissen des wirklichen Lebens wird unentbehrlich sein. Gerade das Urtheil über die geistige Leistungsfähigkeit wird nicht allein auf Stichproben, sondern auf die Lebensgeschichte zu gründen sein.


  1. Beschreibung der Intelligenz-Störungen infolge einer Hirnverletzung nebst einem Entwurfe zu einer allgemein anwendbaren Methode der Intelligenzprüfung. Verhandl. der physik.-med. Ges. zu Würzburg. 1888 – 89, p. 65. 95.
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Paul Julius Möbius: Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes. 5. veränderte Auflage. Marhold, Halle a. S. 1903, Seite 37. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_%C3%9Cber_den_physiologischen_Schwachsinn_des_Weibes_(M%C3%B6bius).djvu/37&oldid=2004790 (Version vom 20.05.2013)