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Reichs-Medicinal-Anzeiger, Leipzig, 20.6.1902.

Nach Fichte’s Meinung wäre ein Buch, welches sofort nach dem Drucke sachgemäss gewürdigt werden kann, des Druckes unwerth. Dies trifft im vorliegenden Falle insofern nicht ganz zu, als die Mehrzahl der zuständigen Beurtheiler über die Bedeutung des Werks nach dessen Erscheinen alsbald einig wurde. In den seitdem verflossenen 21/2 Jahren festigte sich dieses Urtheil, und man darf wohl jetzt unbedenklich aussprechen, dass sich der Verfasser durch diese Veröffentlichung den Klassikern der Medicin aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts beigesellt hat. Anspruchslos, wie die früheren, tritt die vorliegende Auflage auf den Büchermarkt: keine Angabe über das erreichte „9. oder 20. Tausend“ und keinerlei Mittheilung über eine in Aussicht stehende kroatische oder portugiesische Uebersetzung. Für das Bedeutende bildet ein Unterlassen des Ausklingelns die beste Empfehlung. – Betreffs des Inhalts genügt der Hinweis auf die ausführlichen Besprechungen in Nr. 2 dieses „Anzeigers“ vom 18. Januar 1901 (26. Jahrgang, Seite 25) und in Nr. 18 vom 30. August desselben Jahres (ebenda, S. 352). Sachliche Ausstellungen zu machen, bietet sich trotz zahlreich beigebrachter Einzelheiten kaum Anlass. Erst auf der 68. Seite fiel dem Berichterstatter ein unzutreffender Ausspruch auf, nämlich bei Besprechung der Unterbringung unversorgter Weiber: „Ein wirklicher Fortschritt zum Besseren wäre das Zurückgreifen auf den Klostergedanken. Die radicale Bekämpfung des Kloster-Wesens war und ist eine der grössten Thorheiten der Reformation und des Liberalismus“. Bisher handelte es sich bei dem buddhistischen und christlichen Klosterwesen vorwiegend um Männer. Die dem Verfasser vorschwebenden Vereinigungen zu hilfreichen oder wissenschaftlichen Zwecken unter strammer, einheitlicher Leitung können nicht als Klöster gelten, wenn sie – was als selbstverständlich vom Verfasser angenommen wird – zwar drei Klostergelübde (Gehorsam, geschlechtliche Enthaltung, Besitzlosigkeit), nicht aber beschauliches Leben, Kirchendienst und vor allem unwiderrufliche, lebenslängliche Verpflichtung verlangen. – Aber auch hier handelt es sich wesentlich nur um das irrig gebrauchte Wort „Kloster“ oder vielleicht um eine Verwechselung mit kommunistischen Bestrebungen, wie solche zu Erwerbszwecken in den vereinigten Staaten Nordamerikas zum Theil mit bestem Erfolge verwirklicht wurden.

Als Wunsch für die voraussichtlich zahlreichen künftigen Auflagen sei dem Verlag eine die Brauchbarkeit erhöhte Ausstattung mit Inhaltsverzeichniss und alphabetischem Register empfohlen, auch wäre eine Datirung der mit Recht aufgenommenen Vorreden der früheren Auflagen erwünscht, dagegen Streichung einzelner Anführungen bei einem Buche solcher Bedeutung künftig zu meiden. Die Abkürzung: M. a. W. auf Seite 13 und 29 wird ohne Erläuterung manchem Leser dunkel bleiben, wenigstens ging es dem Berichterstatter so.

Heibig, Serkowitz.


Empfohlene Zitierweise:

Paul Julius Möbius: Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes. 5. veränderte Auflage. Marhold, Halle a. S. 1903, Seite 88. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_%C3%9Cber_den_physiologischen_Schwachsinn_des_Weibes_(M%C3%B6bius).djvu/88&oldid=2013854 (Version vom 11.06.2013)