Seite:De Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes (Möbius).djvu/9

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Geiste. Wären die Weiber so klug, wie ich es wünsche, so könnten sie das ganz gut verstehen. Auf den Einwurf, dass, wenn der physiologische Schwachsinn existirte, alles Reden unnütz wäre, weil der Mangel an Erfolg die „Frauenbewegung“ widerlegen würde, will ich noch einmal Folgendes erwidern. Ich glaube in der That, dass im Ganzen der Erfolg Null sein werde, sofern die weiblichen Leistungen den männlichen gleich gemacht werden sollen, aber dieser negative Erfolg ist nur durch grosses Elend zu erzielen. Unter den „Strebenden“ sind zwei Klassen zu unterscheiden. Die Führenden sind Entartete, sie haben (wenigstens im Geistigen) einen Theil der secundären männlichen Geschlechtsmerkmale, d. h. bestimmte Talente und Drang nach Freiheit. Ihnen sollte man ihren Weg erleichtern, denn sie sind einmal da, und ändern kann man sie nicht, also würde die gewaltsame Zurückhaltung grausam sein. Sie werden nichts Besonderes leisten, aber in ihrer mannähnlichen Thätigkeit doch die eigene Befriedigung finden. Die Mehrzahl aber besteht aus Mädchen, die die Mode mitmachen, oder denen die Entarteten ihre Suggestionen eingepflanzt haben. Sie sollte man retten, denn sie richten nicht nur Schaden an, sondern erleiden selbst den grössten Schaden, und leiden um so mehr, je weiter sie von ihrem natürlichen Wege abkommen.

Also die Fruchtbarkeit! Ich habe gesagt, durch den Intellectualismus sinke die Geburtenziffer. Ja, sagt Oda, das ist wahr, aber es ist gut. Das ist ihr eigentlicher Fehltritt. Je weniger die Nachkommenschaft eines Thieres bedroht sei, um so geringer sei die Fruchtbarkeit. Da bei hoher Cultur das Menschenleben mehr geschont werde als bei geringer, sei also die Fruchtbarkeit um so weniger von nöthen, je weiter die Cultur fortschreite. Die darwinistische und die sociale Entwicklung werden durcheinander gemengt, auch ein recht modernes Verfahren. Thatsächlich nehme die Kinderzahl mit dem Wachsen von Reichthum und Bildung ab, und zwar in der Hauptsache durch bewusste Absicht. Das ist vollkommen richtig und ein Beweis dafür, dass die sogenannte Cultur ein Mörder ist. Oda aber empfiehlt die nach Malthus benannte Art zu handeln. Denn wenn weniger Kinder geboren werden, so werden sie, meint Oda, besser aufgezogen und erzogen. Die durch den Intellectualismus

Empfohlene Zitierweise:

Paul Julius Möbius: Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes. 5. veränderte Auflage. Marhold , Halle a. S. 1903, Seite 9. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_%C3%9Cber_den_physiologischen_Schwachsinn_des_Weibes_(M%C3%B6bius).djvu/9&oldid=1997125 (Version vom 5.05.2013)