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2.
Vancouver, August 1899.

Mein gestriger Brief, lieber Freund, handelte so sehr von Bartolo, daß ich fürchte, er wird den Eindruck bei Ihnen erwecken, als seien wir mit ihm die einzigen Passagiere auf dieser langen Fahrt gewesen. Drum sende ich gleich diesen zweiten Brief nach, der Ihnen von unserer übrigen Reisegesellschaft erzählen soll.

Am interessantesten waren mir zwei Japaner, die sich ein Stückchen Heimat mitnahmen, in Gestalt einer zwei Quadratfuß großen, erdgefüllten Kiste, in der mit Steinen und verkrüppelten Zwergbäumchen eine japanische Miniaturlandschaft dargestellt war. Sie hüteten dies Gärtchen mit rührender Sorgfalt. Beide litten offenbar sehr an Seekrankheit und ihre gelbliche Haut hatte allmählich seltsam grüne und violette Schattierungen angenommen, aber, mochten sie noch so elend sein, sobald ein Sonnenstrahl durch das dicke, schwere Gewölk drang, krochen sie aus der Kajüte und trugen ihr Kästchen auf das Deck in die Sonne, und sobald sich der Wind dann erhob und es kälter wurde, schwankten sie wieder hinunter, ihr Stückchen Japan in den Armen. Sie reisten nach Amerika zu

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Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Briefe_die_ihn_nicht_erreichten_Heyking_Elisabeth_von.djvu/12&oldid=1197004 (Version vom 11.08.2010)