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für Touristen wiederzufinden, daß ich folge, ohne nachzudenken. Aber wie ich nun in den alten Räumen stehe, inmitten der fremden Menschen und selbst ganz so fremd bin wie sie, da fühle ich, daß ich nicht hätte kommen sollen. Als würden liebe Tote unsanft berührt, so ist mir bei den schnoddrigen Bemerkungen der Berliner. Ich möchte um keinen Preis erkannt werden und begreife doch gar nicht, wie es denn möglich ist, daß ich so unbeachtet dastehe, daß nicht sogar die leblosen Dinge mir zunicken und zuflüstern: »Sei gegrüßt, sei uns gegrüßt!«

Aus der leeren, weiten Halle treten wir in das Wohnzimmer. Wie unbewohnt, kalt und kahl nach dem Sonnenschein draußen. Ein paar der alten, recht schäbig gewordenen Möbel stehen da und sehen aus, als schämten sie sich, wie arme Kranke, deren Gebrechen von neugierigen Medizinstudenten betrachtet werden. Den abgenutzten, gestreiften Teppich erkenne ich, sogar ein gestopftes Loch, dessen ich mich entsinne, finde ich wieder.

»Du Karl,« sagt die dicke Berlinerin zu ihrem Mann und befühlt einen Sesselbezug, »da is et ja nobler bei uns in die Köpenicker Straße.« Und der dicke Karl antwortet: »Ja, wahrhaftig, in diese feudale Jejend könnte man noch Mitleid mit die Ostelbier bekommen.«

Empfohlene Zitierweise:

Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 157. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Briefe_die_ihn_nicht_erreichten_Heyking_Elisabeth_von.djvu/158&oldid=1214354 (Version vom 26.08.2010)