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3.
Vancouver, August 1899.

Wir sind noch immer hier, ohne besonderen Grund. Aber es ist herbstlich kühl und schattig, und die kleine Ruhepause gibt uns die kurze Illusion, wie andere Menschen seßhafte Wesen zu sein.

In den meisten Straßen sind hier Alleen grüner Bäume gepflanzt, unter denen rotbäckige Kinder morgens zur Schule radeln. Überall sieht man Gärten voll später Rosen, Rittersporn und Astern; die Mauern sind mit Kapuzinerblumen bedeckt, und an den kleinen Kieswegen blühen Reihen von Georginen und Malven. Gärten in so nordischen Ländern wie hier haben mir immer etwas Rührendes; es ist, als wollten die Pflanzen in der kurzen Sommerzeit möglichst viel leisten, und die Blumen, die es so eilig haben, zu erblühen, mahnen, daß wir ja alle nicht wissen, wie kurz uns die Spanne Zeit bemessen sein mag, da für uns noch die Sonne scheint.

Inmitten der wohlgepflegten Gärtchen stehen kleine Landhäuser; sie alle sehen behaglich und behäbig aus. Bei ihrem Anblick denkt man unwillkürlich an jene Gattung englischer Romane, die junge Mädchen lesen dürfen, und in denen

Empfohlene Zitierweise:

Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 17. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Briefe_die_ihn_nicht_erreichten_Heyking_Elisabeth_von.djvu/18&oldid=1196883 (Version vom 11.08.2010)