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Was mag aus unserem Häuschen geworden sein? Was aus den Menschen allen, die ich dort gekannt, die inmitten Tausender fremder und feindlicher Wesen so ahnungslos sicher dahinlebten? Es ist, als seien sie alle weggezaubert, versunken in eine Nacht, die unser Blick nicht zu durchdringen vermag. Immer wieder sehe ich sie alle vor mir, wie sie sich am Morgen unserer Abreise in unserem kleinen Hofe versammelt hatten, um uns Lebewohl zu sagen. Öde und ausgeräumt war alles und Ta dirigierte die Kulis, die sich die letzten Koffer und Kisten aufluden. Man saß auf den Treppenstufen und auf dem Rücken der alten Steinschildkröte herum, und alle Sprachen schwirrten durcheinander. Abschied wurde genommen und Rendez-vous in der Pariser Ausstellung verabredet: Auf Wiedersehen! auf Wiedersehen! tönt es mir immer wieder in den Ohren. Wie oft und ahnungslos haben wir doch alle an jenem Morgen das Wörtchen wiederholt! Und dazu knatterten die Feuerwerke, mit denen die Chinesen alle Abreisen begleiten, um die bösen Geister zu verscheuchen. Aber die füllten wohl schon damals das ganze Land, unsichtbar lauernd harrten sie ihrer Stunde und keiner von jenen, die da standen, fühlte ihre Gegenwart. Denn das Schicksal schlägt mit Blindheit, die es zu verderben gewillt ist.

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Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 223. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Briefe_die_ihn_nicht_erreichten_Heyking_Elisabeth_von.djvu/224&oldid=1213639 (Version vom 26.08.2010)