Seite:De Briefe die ihn nicht erreichten Heyking Elisabeth von.djvu/24

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lieber Freund, und doch haben Sie uns selbst zur Abreise gedrängt und sie beeilt – warum?

Und jetzt bin ich in einem Lande schattiger, grüner Bäume und täglich seit wir hier sind, gehe ich stundenlang tief in den Wald hinein. Das Schönste hier ist der Viktoria-Park, mit seinen uralten Bäumen und den herrlichen Blicken auf die See, vor allem mit seiner Ruhe, seinem Schweigen und Frieden. Wie würde ein Böcklin diesen Wald genießen, der dem unberührten Naturzustand noch so nahe scheint, daß man sich gar nicht wundern würde, über das dicke, weiche Moos Faune und Einhorne schreiten zu sehen.

Gestern bin ich besonders lange im Park gewesen. Ich ging träumend immer weiter, bis ich an sein äußerstes Ende kam, wo er zur schmalsten Stelle einer Meerenge führt. Das felsige Ufer fällt dort steil ab, und tief unten strömt das Wasser reißend vorbei. Ich setzte mich nieder zwischen Farnen und allerhand Ranken und schaute in die Tiefe auf die Meeresstraße, durch die alle Schiffe fahren, die vom fernen Osten nach Vancouver kommen. Und ich träumte, wie hübsch es sein müßte, hier irgendwo ein waldverborgenes Häuschen zu besitzen; dann würde ich alle Tage bis zu dieser äußersten Spitze gehen, setzte mich dort unter die alten Bäume und schaute aus, ob Schiffe

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Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 23. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Briefe_die_ihn_nicht_erreichten_Heyking_Elisabeth_von.djvu/24&oldid=1196876 (Version vom 11.08.2010)