Seite:De Briefe die ihn nicht erreichten Heyking Elisabeth von.djvu/31

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

wohl niemand als besonders schön bezeichnen würde, im Gegenteil, es war oft recht öde und häßlich, und über all unseren gemeinsamen Erinnerungen liegt es wie ein Schleier von Wehmut. Und doch, seitdem ich von dort fort bin, fühle ich mich Ihnen niemals näher, als gerade, wenn ich etwas wirklich Schönes sehe. Nach den drei Jahren in Peking, wo mir das Schöne so selten durch die Natur offenbart wurde, sondern wo ich es nur in eines Menschen Herz und Seele fand, ist es mir wie eine Offenbarung, zu sehen, wie köstlich die übrige Welt doch ist. Jetzt beim Anblick dieser herrlichen Berge, wenn die Sonne auf die Gletscher scheint und die Bäche von den Felswänden herabstürzen in einen tiefgrünen See, wenn ich die harzige Luft einatme und an den hohen Stämmen hinauf schaue, die hier standen, lang ehe der weiße Mann das Land betrat – da frag ich mich oftmals: ist dies dieselbe Welt? Hat das alles so gerauscht, geleuchtet, gefunkelt, geduftet, während der drei letzten, grauen Jahre, die ich in jener fernen Stadt verlebt, wo alles so unendlich fremd war und sich mir das Herz oft zusammenzog in beklemmender Angst, wie vor unheimlichem, unabwendbarem Schicksal?

Es ist so schön, wieder etwas schön finden zu können, plötzlich zu fühlen, daß die Jugend

Empfohlene Zitierweise:

Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 30. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Briefe_die_ihn_nicht_erreichten_Heyking_Elisabeth_von.djvu/31&oldid=1196869 (Version vom 11.08.2010)