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Zeug. Dazu müßten wir vor allem an uns selbst glauben – und wer tut das heute noch? – Sind wir ehrlich, so haben wir uns doch alle als armselige Blechgötzen erkannt – vielleicht imponieren wir noch den Wilden, uns selbst aber doch sicherlich nicht.




8.
Im Eisenbahnzuge, Oktober 1899.

Lieber Freund, wir haben das reizende Banff verlassen. Die Bergketten, die tiefen grünen Wälder liegen längst hinter uns. Einen ganzen Tag schon fahren wir durch die weite Ebene. Wir haben zum Fenster hinaus geschaut, haben hier und da ein paar Seiten eines Buches gelesen und die anderen Reisenden beobachtet. Nun wird es Abend, die Schatten werden länger, und im fernen purpurnen Westen neigt sich die Sonne anderen Welten zu. Mir ist, als ob graue Wesen aus der Erde aufsteigen, die mich stumm anblicken und in deren toten Augen ich die Frage lese: »Was hast Du aus uns gemacht?« Es sind Pläne und Hoffnungen, Träume, Wünsche und Ideale – lauter Dinge, mit denen wir vor langen Zeiten, am frühen Morgen

Empfohlene Zitierweise:

Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 35. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Briefe_die_ihn_nicht_erreichten_Heyking_Elisabeth_von.djvu/36&oldid=1196864 (Version vom 11.08.2010)