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von kostbaren Ringen funkelnd kreuzen, mit dem gutmütigen, halb irischen, halb Yankeedialekt, in dem er fortwährend von seinen verschiedenen Kunstschätzen und ihrem Ursprung spricht, hält man ihn zuerst für einen eingebildeten, aber harmlosen Narren, bis sich unter den buschigen Augenbrauen einmal die schläfrig gesenkten Lider heben und man eine Sekunde lang in die seltsamen Augen blickt; kalt und lauernd sind sie, wassergrün mit kleinen dunkeln Flecken, wie die gesprenkelte Schale von Kiebitzeiern –; hat man einmal in sie hineingeschaut, so glaubt man gern eine jede der vielen Geschichten, die über O’Doyles Skrupellosigkeit im Gelderwerb kursieren.

Mrs. O’Doyle merkt man es auf den ersten Blick an, daß sie aus der früheren Lebensepoche ihres Mannes stammt, und daß sie sich unter ihrer Perlenlast und zwischen den gepuderten Dienern nicht recht wohl fühlt. Von Zeit zu Zeit schaut sie ängstlich nach ihrem Mann, wenn sie sich einer besonderen gesellschaftlichen Schwierigkeit gegenüber sieht, oder wenn sie fürchtet, eine Dummheit gesagt zu haben. Ihr ängstliches, um Vergebung flehendes Benehmen und die kalten, lauernden Augen von O’Doyle – welche Faktoren für eine jener häuslichen Tragödien, die sich täglich neben uns abspielen, ohne daß wir es ahnen!

Empfohlene Zitierweise:

Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 50. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Briefe_die_ihn_nicht_erreichten_Heyking_Elisabeth_von.djvu/51&oldid=1196725 (Version vom 11.08.2010)