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keine nachträgliche Reisebeschreibung schicken, kennen Sie doch Madame Chrysanthêmes Heimat so viel besser als ich; ich will Ihnen nur sagen, daß ich dort viel an Sie gedacht habe, denn durch alles, was Sie mir erzählt, und durch die Bücher, die Sie mir darüber geliehen, kannte ich Japan schon, als ich hinkam. Es war mir, als fände ich dort lauter alte Bekannte wieder; in den Teehausmädchen, die unsern Rickshaw-Kulis mit derselben Grazie und Höflichkeit wie uns selbst Tee servierten, wie in den Landarbeitern, welche, hoch aufgeschürzt, oft bis an die Kniee in den sumpfigen Reisfeldern versanken und sich bei Regenwetter Strohdecken überbanden, deren abstehende Halmenden ihnen das Aussehen riesiger, emsiger Igel verliehen. Sie alle erschienen mir wie Gestalten aus einem wohlbekannten Bilderbuch, denen man zunickt: sieh da, sieh da, da seid ihr ja alle.

Das erfreulichste Wiedersehen feierte ich aber in Japan mit den vielen Blumen, die ich daheim und anderswo als japonica oder japonicum kennen gelernt hatte, und die ich nun in ihrer Heimat wiedersah, nur viel schöner und duftender; wie ja auch wahrhaft nette Menschen meist am nettesten in ihrem eigenen Hause sind.

Japan ist das erste und einzige außereuropäische Land, in dem ich mich ankaufen und »for good«

Empfohlene Zitierweise:

Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 6. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Briefe_die_ihn_nicht_erreichten_Heyking_Elisabeth_von.djvu/7&oldid=1197018 (Version vom 11.08.2010)