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| Carl Hau: Das Todesurteil. Die Geschichte meines Prozesses. |
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Langsam rasselte das schwerfällige Gefährt durch die Straßen der inneren Stadt. Nach einiger Zeit hielten wir im Hofe eines anderen Polizeigerichts und nahmen noch einen Fahrgast auf. Es war ein sehr dicker kleiner Mann von eurasischem Typ, gut gekleidet, urbanen Wesens, in steter Angst, daß ihm eines der zahlreichen Gepäckstücke, die er mit sich schleppte, abhanden kommen könne. Endlich war alles in dem Gang verstreut; er setzte sich auf den größten der Koffer neben mich, der Wagen rollte weiter. Oxford-Street. Glänzende Läden. Ein lebensgefährliches Gedränge. Ich starrte mit heißen Augen in diese Welt hinaus, zu der ich noch vor kurzem gehört hatte und jetzt nicht mehr gehörte. Gleich hinter der schwarzen Marie kam eine hochelegante Viktoria – rassige Pferde, die der feiste Kutscher, thronend wie der Lordkanzler auf seinem Wollsack, mit Mühe zügelte, auf den seidenen Kissen ein Luxusgeschöpf in großer Toilette. Die schöne Dame musterte neugierig den vorsintflutlichen Kasten, der da vor ihr herschwankte. Ihr Blick fiel auch auf das bleiche Gesicht hinter dem Gitter der Tür, einige Sekunden lang sahen wir uns an, dann hob sie von ihrem Schoß ein kleines Seidenäffchen und verbarg ihr Gesicht in dem Fell des Tieres. Über die Themse durch Lambuth. Die Straßen werden öder, die Häuser niedriger. Mein Nachbar hat das Bedürfnis, sich auszusprechen. Ohne sich durch meine Einsilbigkeit beirren zu lassen, erzählt er seinen Fall. Er ist ein indischer Kaufmann, den sie in London verhaftet |
Carl Hau: Das Todesurteil. Die Geschichte meines Prozesses.. Ullstein, Berlin 1925, Seite 24. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Das_Todesurteil_(Hau).djvu/25&oldid=1183907 (Version vom 27.07.2010)