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Liste.png Carl Hau: Das Todesurteil. Die Geschichte meines Prozesses.

jetzt sein, zu Ihrer Verteidigung den besten Mann zu gewinnen, den Deutschland aufzuweisen hat. Wissen Sie, wer das ist?“

„Sello in Berlin, vermutlich. Oder Bernstein in München.“

„Mit welchem von beiden soll ich mich in Verbindung setzen? Eine Absage ist wohl nicht zu erwarten.“

„Mit keinem von beiden.“

?

„Ich werde mich selbst verteidigen.“

Das war zu viel, selbst für englisches Phlegma. Mit einer Geste der Hoffnungslosigkeit stand mein Besucher auf. „Quem deus perdere vult, prius dementat.“ Mr. Scott war ein Mann von klassischer Bildung.

Während der folgenden Tage gingen mir viele Briefe und Telegramme zu, in denen Freunde mich ihrer Sympathie versicherten und ihres Glaubens an meine Unschuld. Einen großen Eindruck machte auf mich der Besuch des Washingtoner Bekannten, dem ich am Abend meiner Verhaftung in der Halle des Hotels begegnet war. Wir standen eigentlich gar nicht so zueinander, daß ich seinen Besuch erwartet hätte. Aber er kam, schüttelte mir kräftig die Hand, wußte die rechten Worte zu finden und wollte es bei Worten nicht bewenden lassen, sondern bis auf weiteres in London bleiben und sich mir widmen. Ich war sehr gerührt und dankte ihm von ganzem Herzen. Indessen könne er mir drüben mehr nützen als in Europa. So übernahm er es, wichtige Aufträge für mich zu erledigen, und hat sich auch in der Folge als einer jener Freunde erwiesen, von denen das Sprichwort sagt, daß hundert auf ein Lot gehen.

Ich begann mich von dem ersten niederschmetternden Schlage zu erholen, da traf mich ein zweiter, über den ich nicht so leicht hinwegkommen sollte. Mr. Scott brachte mir ein Telegramm meiner Frau aus Karlsruhe, das folgenden Wortlaut hatte: „Ich halte meinen Mann für schuldig.“ Als ich das gelesen hatte, brach ich zusammen.

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Carl Hau: Das Todesurteil. Die Geschichte meines Prozesses.. Ullstein, Berlin 1925, Seite 33. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Das_Todesurteil_(Hau).djvu/34&oldid=1183732 (Version vom 27.07.2010)