Seite:De Das Todesurteil (Hau).djvu/58
aus Wikisource, der freien Quellensammlung
| Carl Hau: Das Todesurteil. Die Geschichte meines Prozesses. |
|
|
|
|
Der Herr Doktor kam, wie er sagte, um sich nach dem Verlauf des ersten Verhörs zu erkundigen. Natürlich wußte er schon Bescheid, sein Freund hatte sich wohl schon bei ihm beklagt über meine Halsstarrigkeit. Er fragte, ob ich dieses System des Aussageverweigerns während der ganzen Voruntersuchung beizubehalten gedächte. Es stehe mir allerdings frei, mich in Schweigen zu hüllen, aber ob mir das von Nutzen sei, könne bezweifelt werden. Offenbar hatte auch er ein Geständnis erwartet. Also wieder einer, der von meiner Schuld überzeugt war. Und mein Verteidiger gar. Einen Augenblick schwankte ich, ob ich ihn nicht bitten sollte, die Verteidigung niederzulegen; aber mein Vater hatte ihn beauftragt und würde es nicht gern sehen, wenn ich mich seiner entledigte. Und sein Nachfolger würde mir am Ende noch weniger sympathisch sein. Also lassen wir's in Gottes Namen dabei bewenden. Unsere Beziehungen wurden lange nicht besser. Er hat mich damals in einem Briefe als den widerwärtigsten Klienten bezeichnet, den er je gehabt habe. Die Beschwerde wegen meiner Unterbringung in Gemeinschaftshaft reichte er sofort ein. Sie wurde von der Strafkammer abgelehnt. Aber der nächste Schritt hatte Erfolg. Das Oberlandesgericht entschied, daß ich Anspruch hätte auf Einzelhaft, da kein begründeter Verdacht bestehe, daß ich versuchen würde, mir das Leben zu nehmen. Über diesen Punkt war vermutlich der Hausarzt zur Erstattung eines Gutachtens aufgefordert worden. Derselbe hatte mich untersucht und mir, so gut er es vermochte, auf den Zahn gefühlt. |
Empfohlene Zitierweise:
Carl Hau: Das Todesurteil. Die Geschichte meines Prozesses.. Ullstein, Berlin 1925. Seite 57. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Das_Todesurteil_(Hau).djvu/58&oldid=860540 (Version vom 25.9.2009)