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Liste.png Carl Hau: Das Todesurteil. Die Geschichte meines Prozesses.

einmal nach dem Kontinent zurück mußte; jetzt war keine Zeit mehr zu verlieren, ich wurde in Washington mit Ungeduld erwartet. Also nur im äußersten Notfall eine weitere Verzögerung. Um nähere Auskunft ersuchen, einen Tag oder zwei abwarten. Der Dampfer fuhr Samstag, heute war Mittwoch.

Im Wohnzimmer war der Tee serviert. Wir saßen in gedrückter Stimmung, Vermutungen austauschend über das, was in Baden-Baden passiert sein könne. Die Nurse kam und brachte das Kind mit, das den heimgekehrten Vater stürmisch begrüßte.

Da klopfte es. Der Hoteldirektor steckte mit einer heftig gestotterten Bitte um Entschuldigung den Kopf herein und bat mich, auf einen Augenblick herauszukommen.

Es seien drei Herren von Scotland Yard da, die mich zu sehen verlangten, teilte er mir mit, während wir den Vorsaal durchschritten. Wirklich, im Korridor draußen standen drei Individuen, zwei jüngere und ein älteres, das mit der bekannten Polizeibeamtenmiene an mich herantrat, sich als Inspektor Smith von Scotland Yard legitimierte und mich fragte, ob ich der Mr. Stan aus Washington sei, gegen den er einen Haftbefehl habe.

Mr. Stan aus Washington? Nein, der sei ich nicht. Und schon mischte sich der Direktor, der sich sichtlich nur mit Mühe zurückgehalten hatte, ein und ließ einen erregten Wortschwall los: Er habe es ja gleich gesagt, daß es ein Irrtum sein müsse; er finde es unerhört, daß man den Ruf seines Hotels in so leichtfertiger Weise aufs Spiel setze; er werde sich beim Commissioner beschweren und nötigenfalls bis ans Home Office gehen.

An Mr. Smith floß der ganze Schwall ab wie Wasser von einem Wachstuch. Er stellte meinen Namen fest und meinte dann, es liege hier offenbar ein Versehen des Beamten vor, der das Telegramm, das meine Verhaftung verlange, aufgenommen habe. Mehr Eindruck machte es auf ihn, als ich darauf hinwies, daß nach dem Gesetz Haftbefehle sehr strikt zu interpretieren seien und

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Carl Hau: Das Todesurteil. Die Geschichte meines Prozesses.. Ullstein, Berlin 1925, Seite 8. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Das_Todesurteil_(Hau).djvu/9&oldid=901959 (Version vom 14.11.2009)