Seite:De Der Mord an der Jungfrau Barres Maurice.djvu/20

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sie an wie ein Lied an die Götter. Umbrandet vom Gebrüll des Pöbels ragte die Jungfrau, ein Ewiges, schön und jung, und breitete die Apotheose des Todes aus wie ein kostbares Leichentuch.

Und da sie fand, daß der Greis mit tränennassen Augen in den leeren Saal sah und zu so hohen Worten die Verlassenheit und Ode nur um so bitterer verspürte, unterbrach sie sich:

»Poet du! sieh dich vor und misch keine schlimmen Gedanken in dein Bedauern darüber, daß so viele abwesend sind. Es war nicht, sag’ ich dir, daß es ihnen an Mut gefehlt hätte, als sie sich weigerten, dem Pöbel zu trotzen ....«

Zu diesen Worten entstand da unten ein Getöse, wie ein Ansturm, und Schreckensschreie gellten: fern ballte sich eine Wolke Staubes, vom Heranmarsch einer Menschenherde: Die aus der Wüste nahen! .... So war endlich das Wildeste an Menschen gegen eine Frau entfesselt.

Lucius und die andern wollten Athene verbergen.

Aber Athene sprach: »Diese da haben nur mich«  und wies auf die Bibliotheken und die Gedenkbilder der Väter. »Und ich verlasse diese Ausgestoßenen nicht!« Amaryllis fiel auf die Knie und küßte der jungfräulichen Heldin die Hände.

»Nie, nie verlasse ich sie!« wiederholte Athene.

Und das Opfer machte sie groß zu dieser Stunde

Empfohlene Zitierweise:

Maurice Barrès, Übersetzung: Heinrich Lautensack: Der Mord an der Jungfrau. Kurt Wolff Verlag, Leipzig 1913, Seite 24. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Der_Mord_an_der_Jungfrau_Barres_Maurice.djvu/20&oldid=1203374 (Version vom 18.08.2010)