Seite:De Die Liebesbriefe der Marquise (Braun).djvu/302

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zu und rief mit einer Stimme, als kratze eine Stahlklinge über eine Schiefertafel: „Die Luft weht schneidend heute, was, Herr Baron?! Machen Sie, daß Sie nach Hause kommen, für zarte Häute ist das nichts,“ und, hell auflachend, schlug er krachend das Fenster zu. Ich stand noch wie gebannt, als ich den Marquis, Ihren Gemahl, unten aus dem Torweg treten sah. Er ging langsam, sehr gebückt, seine Schultern zuckten, als fröre ihn unter dem dicken schwarzen Mantel. Besorgt wollte ich ihn anreden. Aber er sah an mir vorbei ins Leere.

Es war ein böser Tag, teuerste Cousine, und ich würde am liebsten meine Koffer packen, und den Weg, den ich kam, mit der schnellsten Post zurückkehren. Rußland erscheint mir jetzt wie eine stille, felsenumschlossene Bucht, in deren dunklen Wassern sich zwar die Sonne nicht spiegelt, die aber auch der Sturm nicht aufpeitscht.

Aber die bevorstehende Ankunft des Großfürsten fesselt mich hier, und ich knüpfe die Hoffnung daran, daß sie mit vielen Festen und Empfängen die Wirkungen schlechter Träume zerstreuen wird.


Graf Guy Chevreuse an Delphine.
Versailles, am 15. März 1782.


Verehrteste Frau Marquise. Im Auftrage meiner erhabenen Gebieterin, Ihrer Majestät der Königin, habe ich die Ehre, Ihnen dero allerhöchste Wünsche ganz ergebenst zu unterbreiten.

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Lily Braun: Die Liebesbriefe der Marquise. München 1912, Seite 296. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Die_Liebesbriefe_der_Marquise_(Braun).djvu/302&oldid=1713619 (Version vom 1.11.2011)