Seite:De Die blutige Rache einer jungen Frau.djvu/026

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gab er dem Soldaten Geld zu einem Glas Wein und vertraute ihm den Brief an, um ihn an die Dienerin Minghea zu bestellen.

Sinkew war, sobald er Geld erhielt, ein zuverlässiger braver Kerl, der seine Schuldigkeit dafür pünktlich that. Er erlauschte nächsten Morgen eine gute Gelegenheit, wo er den Brief in Mingheas Hände drückte, die ihrerseits ihn wiederum ihrer jungen Herrin zukommen liess. Keaou Lẅan erbrach und durchflog das Schreiben, das folgendermaassen eingeleitet war: „An dem Feste Twan yang suchte mein Blick mein junges Fräulein Keaou Lẅan in dem Garten, und da er sie nicht fand, flüsterte mein Mund folgende Verse:

„Ich habe den theilweis gefärbten Faden gesponnen, mit dem ich hoffte, unser Schicksal zusammen zu knüpfen –

Ich habe den vollen Becher geleert, gewürzt mit dem Chang-poo Blat[1]; womit ich mich Dir zu verpfänden glaubte –

Aber Wolken trennen den Strom unserer gegenseitigen Gefühle, ich sehe sie nicht, die Wonne meiner Augen – [2]

Und gleich der schönen Sonnenblume wendet sich umsonst mein Herz nach dem Gott des Tages!“

Am Ende des zarten Briefchens standen die Worte: „Chow Tingchang von Sungling, Schreiber Dieses, sendet Dir seine besten Grüsse.“


  1. Der Wein, den man am Twan yang Feste trinkt, ist gewürzt; man glaubt damit die bösen Geister zu bannen.
  2. Siehe Note E zu Ende.
Empfohlene Zitierweise:

unbekannt, Adolf Böttger (Übersetzer): Die blutige Rache einer jungen Frau. Wilhelm Jurany, Leipzig 1847, Seite 24. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Die_blutige_Rache_einer_jungen_Frau.djvu/026&oldid=949278 (Version vom 27.12.2009)