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die feinsten, buntesten seidenen Zeuge und ein Geschenk in Geld zu Bücherkäufen[1], schrieb dann seine Visitenkarte, worauf er sich selbst den Neffen der Frau vom Hause nannte und ging darauf in ihre Wohnung, um seine Verwandtschaft anerkannt zu wissen. O, seine Grüsse waren höchst demüthig! – und seine Verwandtschaft war wirklich eine äusserst nahe Verwandtschaft!

Der alte Herr Wang war, wie schon bemerkt, ein ganz militärischer Mann[2] und liebte Nichts mehr, als Schmeichelei. Er ersuchte den jungen Mann in das Privatzimmer zu treten, und rief seine Frau und Familie, um dessen Bekanntschaft zu machen. Tante Tsaou wurde auch als Tante erkannt, und Keaou Lẅan wurde seine schöne Nichte, und sie alle erwiederten ihre Verbeugungen und Knixe zu gleicher Zeit. Der alte Herr Wang gab ein kleines Mahl in der hintern Halle, und wie dies gebräuchlich ist, wenn ein Verwandter zugegen, so sass die ganze Familie an einer Tafel[3]. Tingchang und Keaou Lẅan waren in ihrem Herzen ganz vergnügt. Ihre verliebten Blicke kamen und gingen über die Tafel; doch ihre Seligkeit lässt sich unmöglich beschreiben. Als das kleine Fest endete, stand ihr Glück auf dem höchsten Punkt.


  1. Dies möchte wohl ein europäisches Gefühl beleidigen, aber es ist unabänderliche Sitte in China.
  2. Das Militär steht in China nicht in so hohem Ansehen, als in den meisten europäischen Ländern.
  3. Gewöhnlich essen die chinesischen Frauen allein.
Empfohlene Zitierweise:

unbekannt, Adolf Böttger (Übersetzer): Die blutige Rache einer jungen Frau. Wilhelm Jurany, Leipzig 1847, Seite 33. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Die_blutige_Rache_einer_jungen_Frau.djvu/035&oldid=949333 (Version vom 27.12.2009)