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Geliebten zu rufen, und, da sie so häufig zusammenkamen, so befestigte sich ihre Liebe von Tage zu Tage.

Ein halbes Jahr mochte wohl vergangen sein, als Professor Chows öffentliche Stellung erhöht und er nach dem Go-me-District und der Provinz Szechuen berufen wurde. Die heftige Neigung Tingchangs zu seiner Lẅan war in dieser Zeit so gestiegen, dass er unter keiner Bedingung sie verlassen konnte, um seinen Vater zu begleiten. Er gab daher als Entschuldigung vor, dass er unwohl sei, dass er fürchte, von dem Ungemach auf dem Wege nach Szechuen befallen zu werden[1], dass überhaupt noch gar nicht seine Erziehung beendet, dass Lehrer und Schüler so freundlich mit einander stünden, kurz, er bat, ihn noch am Ort zu lassen, wo er den Wissenschaften so vortheilhaft obliegen könne. Professor Chow war gewohnt, auf alle Vorstellungen seines Sohnes einzugehen; es gab wohl Nichts in der Welt, was der junge Mann nicht behauptet hätte, und der alte nicht zugegeben; als nun sein Vater seine Reise antrat, gab Tingchang ihm blos ein kleines Stück Weges über die Stadt hinaus das Geleit und kehrte „auf der Liebe leichten Schwingen“ zu der Herrin seines Herzens zurück. Die arme Lẅan fühlte den tiefsten Dank für ihren Geliebten, dass er zurückgeblieben war und am nämlichen Tage lud sie ihn wieder zu einer heimlichen Zusammenkunft, wo die glühenden Flammen ihrer Neigung zusammenschlugen.


  1. Szechuen ist eine gebirgige Provinz im westlichen China und das dortige Klima sehr austrocknender Natur.
Empfohlene Zitierweise:

unbekannt, Adolf Böttger (Übersetzer): Die blutige Rache einer jungen Frau. Wilhelm Jurany, Leipzig 1847, Seite 43. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Die_blutige_Rache_einer_jungen_Frau.djvu/045&oldid=949342 (Version vom 27.12.2009)