Seite:De Etiquette Schubin Ossip.djvu/22
|
Das königliche Krankengemach war ein wahrer Pestherd. Mehr als fünfzig Personen streckte die Seuche im Schloß darnieder. Wer es unter anständigem Vorwand konnte, trachtete sich vom Hofe zurückzuziehen. Um diese Zeit höfischer Panik war’s, daß der Vicomte de Letorière sich freiwillig anbot, den König zu bedienen und zu pflegen. Aber – halt! … „Will er über unsere Schultern hinübersteigen bis in das Schlafzimmer des Königs, der Gassenjunge? Nimmermehr!“ riefen die Würdenträger des Reiches, und sie wiesen sein Anerbieten ab, höflich, aber sehr entschieden. Es durfte nicht sein – die Etiquette gab’s nicht zu! |
Ossip Schubin: Etiquette. Paetel, Berlin 1887, Seite 22. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Etiquette_Schubin_Ossip.djvu/22&oldid=1456910 (Version vom 10.02.2011)