Seite:De Etiquette Schubin Ossip.djvu/55

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Mauern umtobten – vereinsamt, abgetrennt von Allem, was ihr ehemals verwandt und sympathisch war, steht sie auch heute noch aufrecht, in einer neuen Zeit unter Fremden, wie eine Greisin, die ihre ganze Nachkommenschaft überlebt. – – –

Wenn man den Küster fragt nach Überresten der Abtei, schüttelt er den Kopf. Die Revolution hat Nichts respectirt, nicht einmal die Gräber – Alles ist verbaut, Alles vermauert worden, berichtet er uns. „Aber die Abtei muß sehr schön gewesen sein,“ setzt er wohl hinzu; sie reichte hinab bis zum heutigen Boulevard Clichy, wo sich zu ihren Zeiten freilich noch grüne Ländereien hinzogen. Denn Montmartre war nur ein winzig Dörflein im Schatten einer großen Abtei, und Paris war weit, damals vor mehr denn hundert Jahren, da dieser kleine Parvenu, der Vicomte de Letorière, in schwärmerischer Liebe entbrannt war zu einer Prinzessin von Geblüt – zu Julie Victoire von Soissons.


Empfohlene Zitierweise:

Ossip Schubin: Etiquette. Paetel, Berlin 1887, Seite 55. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Etiquette_Schubin_Ossip.djvu/55&oldid=1470230 (Version vom 18.02.2011)