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und sehen oft den Teufel dort, wo er nicht ist. Auch die Tamara bei Lermontow war einsam und sah den Teufel.“

„Lesen Sie viel?“

„Sehr viel. Ich habe ja immer freie Zeit, vom Morgen bis zum Abend. Am Tage lese ich, und nachts habe ich einen leeren Kopf und Schatten statt Gedanken.“

„Sehen Sie etwas in der Nacht?“

„Nein, aber ich fühle…“

Sie lächelte wieder, hob die Augen und blickte den Arzt so klug und so traurig an; und es war ihm, als vertraue sie ihm, als wolle sie mit ihm aufrichtig sprechen und als habe sie die gleichen Gedanken wie er. Sie schwieg aber. Vielleicht wartete sie, daß er etwas sage.

Und er wußte, was er ihr zu sagen hatte; ihm war es klar, daß sie so schnell als möglich diese fünf Fabriksgebäude und die Million, wenn sie eine solche habe, verlassen müsse, daß sie den Teufel fliehen solle, der sie nachts anstarre; es war ihm auch klar, daß auch sie dasselbe dachte und nur darauf wartete, daß jemand, dem sie vertraute, ihr es bestätigte.

Er wußte aber nicht, wie es ihr zu sagen. Wie? Man schämt sich, einen Verurteilten zu fragen, wofür er verurteilt worden ist; ebenso vermeidet man auch einen Reichen zu fragen, wozu er das viele Geld brauche, warum er mit seinem Reichtum so schlecht wirtschafte und warum er nicht darauf verzichte, selbst wenn er darin sein Unglück sähe; und wenn man schon darüber zu sprechen beginnt, so wird es gewöhnlich ein verschämtes, verlegenes, langes Gespräch.

– Wie soll ich es sagen? – fragte sich Koroljow. – Und soll ich es ihr überhaupt sagen?

Und er sagte das, was er sagen wollte, nicht direkt, sondern auf Umwegen:

Empfohlene Zitierweise:

Anton Pawlowitsch Tschechow: Von Frauen und Kindern. Musarion, München 1920, Seite 210. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Von_Frauen_und_Kindern_(Tschechow).djvu/210&oldid=997411 (Version vom 14.01.2010)