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| J. Heinzerling: Denkschrift betreffend die Lenne-Lahn-Bahn |
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Landwirthschaft.Langjährige Beobachtungen und genaue statistische Nachweise haben festgestellt, daß der magere Gebirgsboden des Kreises Biedenkopf bei Weitem nicht das aufbringt, was der Consum erfordert. Ueber ein Drittel der nothwendigsten Lebensbedürfnisse muß auf schwierige und kostspielige Weise per Achse von Außen beschafft werden. Viele der vorhandenen Güterstücke, welche hier und da nicht unbedeutende Theile einzelner Gemarkungen bilden, gehören außerdem dem Fiskus und sind, weil in todter Hand liegend und bei dem sich mehr und mehr einstellenden Rückgang unseres Bauernstandes, dem Erwerb Viehzucht.und der freien Benutzung der Gemeindeangehörigen nicht zugänglich. Mehrjährige Mißernten haben überdies auf die Viehzucht, einen Haupterwerbszweig der Bewohner, äußerst nachtheilig eingewirkt, und wenn trotzdem mit vieler Mühe ein Resultat in dieser Beziehung erzielt ist, so muß der Landmann, eben des Verkehrsmangels wegen, die Producte seines Fleißes stets unter dem Preise verwerthen, auf Handel und Arbeiterverhältnisse.Die kräftigen, brauchbaren Arbeiter finden demzufolge, auch bei dem ernstesten Streben, die Mittel zum bescheidensten Auskommen nicht. Entweder wandern sie daher aus, oder sie gehen in die industriellen Gebiete Westphalens und der Rheinlande. Aus dem Kreise Biedenkopf allein sind jetzt, nach den statistischen Erhebungen der letzten Jahre, alljährlich über 4000 Männer, mithin über 1/10 der gesammten Bevölkerung des Kreises, abwesend, um in der Ferne ihr Brod zu verdienen, was sie zu Hause nicht konnten; allein es dauert nicht lange, so kehren sie, weil hinweggerissen von Haus und Eisenindustrie.Familie, in den meisten Fällen demoralisirt in den armen Kreis zurück. Die vorhandene bedeutende Eisenindustrie, welcher auf kurzer Strecke im Gebiet der oberen Lahn allein auf fünf Hüttenwerken mit sieben Hochöfen betrieben wird und jetzt noch über 8000 Menschen erhält, war früher vollkommen lebensfähig und durfte bis gegen Ende der 50. Jahre sogar eine blühende genannt werden, da die Concurrenzwerke an der Dill, der unteren Lahn und im Vogelsberg in Bezug auf die Beschaffung der Rohmaterialien und den Versandt der Fabrikate wesentlich in gleicher Lage sich befanden. Allein nach der Erbauung der Deutz-Gießener-, der Ruhr-Sieg- und der Oberhessischen Bahn hat sich dieses Verhältniß begreiflicherweise total und zum großen Nachtheil der hiesigen Industrie geändert. Eine Concurrenz ist für unsere Hüttenwerke vollständig zur Unmöglichkeit geworden und die Besitzer, nachdem ihnen auch noch die beabsichtigte Anlage von Ladegeleisen bei Cölbe nur unter erdrückenden Bedingungen, |
J. Heinzerling: Denkschrift betreffend die Lenne-Lahn-Bahn. Biedenkopf o. J., Seite 3. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Denkschrift_betreffend_die_Lenne-Lahn-Bahn.djvu/3&oldid=1445456 (Version vom 1.02.2011)