Seite:Der Ritualmord vor den Gerichtshöfen (1902).djvu/11

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sondern in der Berliner „Allgemeinen Zeitung des Judentums“ erschienen. Ob der „Exrabbiner Moldawo“ auch jetzt noch von Dr. Rohling als Gewährsmann aufgeführt wird, weiß ich nicht, zur Ehre Dr. Rohlings möchte ich es bezweifeln, denn einen Exrabbiner Moldawo hat es niemals gegeben. Die Schandschrift, die unter diesem Namen veröffentlicht wurde, enthält eine Zusammenstoppelung der Geständnisse, die den des Ritualmords angeklagten Juden durch die Folterqualen ausgepreßt wurden, nebst anderen Verleumdungen, die von Judenfeinden gegen die Juden veröffentlicht wurden. Mit dem Exrabbiner Moldawo ist es Dr. Rohling ähnlich ergangen wie mit dem Oberrabbiner Fabius von Lyon, den er zum Rabbiner und dann zum Prediger degradieren mußte, bis derselbe sich endlich durch die amtlichen Erhebungen der Behörden in Lyon als ein überspannter, an Gedächtnisschwäche leidender, im französischen Ausdruck unbeholfener Stickwarenfabrikant entpuppte.

Was schließlich den Gewährsmann Apion betrifft, so habe ich auch über diesen das Nötige in meiner Schrift über den Ritualmord bereits gesagt. Ich will hier nur noch beifügen, daß es diesem „Marktschreier“, wie ihn seine Zeitgenossen nannten, auf eine Lüge mehr oder weniger gegen die Juden nicht ankommt. Nach dem Zeugnisse des jüdischen Geschichtschreibers Flavius Josephus (C. Apion II. 7.) hat derselbe nämlich auch die Lüge gegen die Juden verbreitet, im innersten Heiligtum des Tempels zu Jerusalem sei ein Esel aufgestellt gewesen, dem man göttliche Verehrung erwiesen habe. Diesen Esel habe der syrische König Antiochus Epiphanes zugleich mit dem gemästeten Griechen im Tempel gefunden, und weil der Kopf des Esels von reinstem Golde gewesen sei, habe er ihn abgeschlagen und mitgenommen. Wer nun an den Griechen im Tempel zu Jerusalem und die von Apion enthüllte jüdische Geheimlehre von der Mästung und Opferung desselben glaubt, der muß auch an den Esel glauben, der im Tempel zu Jerusalem als Gott angebetet wurde, wer aber an den göttlichen Esel nicht glauben will, darf auch nicht an die Geheimlehre von der Mästung und Abschlachtung des Griechen glauben, und das letztere wird wohl das einzig Vernünftige sein. So sehen die Zeugnisse und Zeugen aus, die man für die jüdische Geheimlehre vom Ritualmord und Blutgenuß ins Feld zu führen pflegt; ihnen wollen

Empfohlene Zitierweise:

Friedrich Frank: Nachträge zu „Der Ritualmord vor den Gerichtshöfen der Wahrheit und Gerechtigkeit“. Verlagsanstalt vorm. G. J. Manz Buch- und Kunstdruckerei A.-G. München-Regensburg, Regensburg 1902, Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_Ritualmord_vor_den_Gerichtsh%C3%B6fen_(1902).djvu/11&oldid=1753847 (Version vom 16.01.2012)