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dem (resp. den) Verfasser(n) nicht in den Sinn. So werden die Gegner, d. h. die Sadduzäer und ihr Anhang, als Ganzes verurteilt, und sie sind darum schon an sich die Gottlosen und Sünder, wogegen des Dichters Freunde, die Pharisäer, schon an sich die Frommen, Gerechten und Heiligen sind. Wie sich von hier aus bei strengerer sittlicher Betrachtungsweise die Überzeugung Bahn brechen mußte, daß die „Gerechtigkeit der Pharisäer und Schriftgelehrten“ dem Ideal der Gerechtigkeit sehr fern, und die Pharisäer in Gefahr seien, hochmütiger Selbstgerechtigkeit zu verfallen, zeigt nichts deutlicher, als die Stellung Jesu zu den Pharisäern; vgl. Matth. 5,20.

Dies wird noch deutlicher, wenn die Äußerungen über Fromme und Gottlose, d. h. Pharisäer und Sadduzäer, im Einzelnen ins Auge gefaßt werden. Wohl ist der Mensch in Beziehung auf sein allgemeines Lebenslos der göttlichen Bestimmung unterworfen (5,4), aber im Übrigen hängt sein ganzes Ergehen ab von seinem Thun nach freier Wahl (9,4). Der Fromme kann nun aber eigentlich nicht sündigen; er versieht sich nur gelegentlich, sorgt aber schleunigst wieder für Sühne (9,6). Deshalb wird ihm höchstens zeitweilig Züchtigung zu Teil (10,1 ff.), und zwar ganz im Geheimen, um ihn vor den Gottlosen nicht bloßzustellen (18,8); im Übrigen aber ist den Frommen die Teilnahme am Reiche Gottes sicher, bezw., wenn sie schon vor dem jüngsten Tage gestorben sind, die Auferstehung zum ewigen Leben. Die Gottlosen dagegen fallen von einer Sünde in die andere; sie werden deshalb hinweggerafft und verfallen dem ewigen Verderben (3,3–12. 13,11 f. 14). Und zwar trifft die Vergeltung mit unfehlbarer Sicherheit: beide Teile sind schon jetzt von Gott gezeichnet, so daß er sie am Gerichtstage leicht finden kann (15,6.9 ff.). Und in der selbstzufriedenen Gewißheit, daß Gott die „Gottlosen“ schon bisher um ihrer Sünden willen empfindlich heimgesucht hat und unfehlbar noch ganz und gar und in alle Ewigkeit zunichte machen wird, preist der Dichter einmal über das andere Gottes gerechtes Walten, das er besonders in dem Auftreten des Pompejus gegen Aristobul und dem ganzen Schicksale der Hasmonäer erkennt; vgl. Luk. 18,11.

Ein besonderes Kennzeichen der religiösen Stimmung dieser Kreise ist nun endlich noch die hochgespannte messianische Erwartung, wie sie unsere Lieder durchweht; vgl. besonders 17,21 ff. 18,5–9. Der Messias ist Davids Sohn und König Israels; er hat die Aufgabe, Jerusalem von den Heiden zu reinigen und alle Gottlosen niederzuschlagen (17,21–25). Dann wird er in Jerusalem ein Reich von Gerechten und Heiligen gründen. Fremde sind nicht zugelassen; vielmehr sollen nur heilige, gesetzestreue Juden in Jerusalem wohnen (17,26–29). Darauf unterwirft er alle Heiden seinem Scepter, daß sie freiwillig kommen, seine Herrlichkeit zu sehen, und die zerstreuten Glieder des Gottesvolks von allen Enden herbeibringen (17,30–32). Das alles vollbringt er in der Hilfe des Herrn, nicht in irdischer Kraft, und weil er rein von Sünde ist und voll heiligen Geistes, so daß sein Wort gleich Engelsworten gilt; es sind selige Tage (17,33–37.43 f. 18,6 ff.). — Es läßt sich leicht erkennen, in welchen Punkten sich das Messiasbild Jesu mit diesen Erwartungen deckte, und in welchen er grundsätzlich von ihnen abwich. Von hier aus — im engsten Zusammenhange mit dem tiefgreifenden Auseinandertreten des beiderseitigen Begriffs von Gerechtigkeit — erklärt sich von selbst die ablehnende Haltung der Pharisäer gegen Jesus. Sie mußte mehr und mehr zur erbitterten Feindschaft werden, je deutlicher Jesus mit dem Anspruch hervortrat, selbst der Messias zu sein, und je weniger er in der Lage war, diesem Bilde zu entsprechen.

Die Sprache, in der wir den Psalter Salomos heute besitzen, ist die griechische. Es läßt sich aber mit voller Sicherheit behaupten, daß die heutigen Texte nicht die Urgestalt der Lieder darstellen, sondern lediglich eine Übersetzung für die Zwecke der griechisch redenden Judenschaft, bezw. der christlichen Kirche. Dies geht hervor weniger aus dem stark hebraisierenden Dialekt der Lieder, als vielmehr aus der Thatsache, daß dieselben (vgl. διάψαλμα

Empfohlene Zitierweise:

Rudolf Kittel (Übersetzer): Die Psalmen Salomos. Tübingen: J.B.C. Mohr (Paul Siebeck), 1900, Seite 129. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DiePsalmenSalomosGermanKittelKautzsch2.djvu/003&oldid=1649190 (Version vom 9.09.2011)