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und die Überschriften) im synagogalen Gottesdienste gesungen wurden, sowie besonders aus einer Reihe merkwürdiger Fehler im heutigen Texte, die sich unmöglich aus dem Irrtum eines griechischen Abschreibers, sondern nur aus einem solchen des Übersetzers oder des hebräischen Abschreibers (s. u.) erklären lassen. Erst die Annahme eines hebräischen Originals schafft in manchen Fällen Klarheit. Das letztere haben wir uns, wie unsere ältesten Bibeltexte, unpunktiert zu denken.

Für die nachfolgende Übersetzung ist die musterhafte Ausgabe von O. v. Gebhardt zu Grunde gelegt. Dort findet sich auch fast alle weitere Litteratur (S. 139) verzeichnet; man vergleiche außerdem noch Schürer, Gesch. des jüd. Volks³ III, 150 ff.; PRE² XII, 346 ff. und Frankenberg (s. o.). Wo die Übersetzung von v. Gebhardts griechischem Texte abweicht (die Stichenabteilung ist ab und zu freier gehandhabt), d. h. einen anderen griechischen Text voraussetzt (s. u.), giebt das Zeichen ‘ ’ nebst der zugehörigen Anmerkung darüber Auskunft. Außerdem lag dem Übersetzer eine von Franz Delitzsch herrührende Rückübersetzung der Lieder ins Hebräische (Eigentum der Leipziger Universitätsbibliothek) handschriftlich vor. Sie ist ab und zu durch „Del.“ citiert. — Die Übersetzung ist darauf bedacht, die (hebräische) Urschrift möglichst treu wiederzugeben. Es verstand sich deshalb von selbst, daß sich der Übersetzer mit dem uns vorliegenden griechischen Texte nicht zufrieden geben durfte, sondern daß ihm durchgehends die hebräische Vorlage desselben vorschweben mußte. Vielfach kann den griechischen Worten nur durch Zurückgreifen auf jene ein befriedigender Sinn abgewonnen werden. Hierher gehört neben anderen Erscheinungen besonders die vielfach unrichtige Wiedergabe des hebr. Imperfekts (auch wo es aoristische oder präsentische Bedeutung hat, z. B. 2,10. 15. 18. 29) durch das griech. Futurum. Besonders aber verdient zur Erläuterung der nachfolgenden Übersetzung die dreifache Möglichkeit, auf die zu achten war (vgl. auch das oben über die Sprache der Psalmen Bemerkte), Erwähnung: a) daß der griechische Übersetzer in gewissen Fällen (z. B. 2,10. 15. 18. 29. 3,2. 5,18. 17,42) einen von ihm richtig gelesenen hebräischen Text unrichtig oder nur halb richtig übersetzt; b) daß er selbst je und dann den (unpunktierten) hebräischen Text unrichtig las (z. B. 2,23. 25. 5,13. 8,3); endlich c) daß ihm bereits ein durch ein Versehen des hebräischen Schreibers verderbter hebräischer Text vorlag, den er aus Scheu vor dem überlieferten nicht zu ändern wagte (z. B. 4,9. 5, 14. 17,34). In allen diesen Fällen ist der Sinn der hebräischen Urschrift, nicht der des griechischen Textes, wiedergegeben, ohne daß jeder einzelne Fall durch ein besonderes Zeichen kenntlich gemacht wäre; dagegen sind die wichtigeren Fälle dieser Art in den Anmerkungen erläutert.


Die bittere Frucht des Makkabäerkriegs.

1

1 Ich schrie zum Herrn in meiner äußersten Drangsal,
zu Gott, als Sünder [mir] zusetzten[1].
2 Plötzlich drang mir Kriegsgeschrei in die Ohren;
’ich sprach‘: Er hört mich[2], weil ich voll Gerechtigkeit bin.
3 Ich bildete mir ein, ich sei voll Gerechtigkeit,
weil ich Glück hatte und reich an Kindern ward[3].

  1. Die Drangsal ist die Not, in die die jüdische Gemeinde durch den Angriff der syrischen Könige auf ihre Religion gebracht wird. Die „Sünder“ sind somit die heidnischen (vgl. z. B. 2,1. 2, auch Gal. 2, 15) Syrer, und der Krieg von V. 2 ist nichts anderes als der makkabäische Aufstand. Das redende Subjekt ist die fromme Gemeinde, bezw. die pharisäische Partei im Namen der Gemeinde.
  2. ἐπακούσεται. Lies dafür mit M. Schmidt: εἶπα ἀκ. oder besser mit v. Gebhardt: εἶπα ἐπακ.
  3. Das V. 2b Gemeinte stellt sich nachträglich als bloße Einbildung heraus: dem Glücke des Siege folgt die bitterste Enttäuschung der Frommen. Die Hasmonäer, das durch die makkabäische Erhebung emporgebrachte WS: Die auf der nächsten Seite fortgesetzte Anmerkung wurde hier vervollständigt Herrschergeschlecht, und ihr (sadduzäischer) Anhang sind zwar Juden und konnten deshalb die Frommen lange über ihr wahres Wesen täuschen (V. 7), aber in der That sind sie voll heidnischer Sitten und treiben es schlimmer als die Heiden selbst (V. 8). In Wahrheit sind sie somit eine Gefahr für die Gemeinde. Vgl. auch 8,1-6.
Empfohlene Zitierweise:

Rudolf Kittel (Übersetzer): Die Psalmen Salomos. Tübingen: J.B.C. Mohr (Paul Siebeck), 1900, Seite 130. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DiePsalmenSalomosGermanKittelKautzsch2.djvu/004&oldid=1653014 (Version vom 16.09.2011)