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7 Nach ihren Sünden hat er ihnen gethan,
daß er sie preisgab in der Sieger Hände
8 (denn mitleidslos hat er sein Antlitz von ihnen abgewandt)
jung und alt und ihre Kinder zumal,
weil sie zumal Böses gethan und nicht hören wollten.
9 So ward denn der Himmel unwillig, und das Land spie sie aus;
denn kein Mensch that darin, was sie thaten.
10 Und das Land erkannte[1] alle deine gerechten Gerichte, o Gott!
11 Sie machten Jerusalems Söhne zum Gespött wegen der ’Hurerei‘[2] in ihr
jeder, der des Weges zog, konnte hinein am lichten Tag.
12 Sie trieben Scherz mit ihrer Gottlosigkeit;
so, wie sie selbst gethan hatten am lichten Tag,
so stellte man[3] ihre Frevel zur Schau.
13 Und Jerusalems Töchter wurden entehrt nach deinem Richterspruch,
dafür, daß sie sich selbst befleckt hatten in greulicher Unzucht —
14 im tiefsten Innern thut es mir weh!
————
15 Ich gebe[4] dir recht, o Gott, mit aufrichtigem Herzen;
denn in deinen Gerichten waltet deine Gerechtigkeit, o Gott!
16 Denn du hast den Sündern[5] nach ihren Thaten vergolten
und nach ihren gar üblen Sünden,
17 hast ihre Sünden an den Tag gebracht, damit dein Gericht offenbar werde,
hast ausgelöscht ihr Andenken von der Erde.
18 Gott ist ein gerechter Richter und huldigt[6] keiner Person[7].
————
19 Heiden nämlich haben Jerusalem verhöhnt und zertreten;
ihre Schönheit ward vom stolzen Thron herabgezogen.
20 Sie mußte das Sackgewand anlegen statt des Ehrenkleids,
einen Strick um ihr Haupt statt des Kranzes,
21 nahm ab das herrliche Diadem, das Gott ihr aufgesetzt hatte:
entehrt [lag] ihre Zier, ward weggeworfen zur Erde.
————
22 Ich aber sah es und bat den Herrn eindringlich und sagte:
Laß genug sein, Herr, daß deine Hand auf Jerusalem lastet im Andrang der Heiden!
23 Denn sie haben ihr Spiel getrieben und nicht geschont in Zorn und grimmem Wüten
und sie werden [ihm] den Garaus machen[8], wenn nicht du, Herr, sie in deinem Zorne schiltst
24 Denn nicht im Eifer [für dich] haben sie gehandelt, sondern in [ihres] Herzens Lust,
um ihren Grimm über uns auszugießen in Plünderung.

  1. Das Fut. erklärt sich lediglich aus hebr. Impf. וַתֵּדַע. Es handelt sich um Vergangenes; vgl. 8,8 und Wellh. 134.
  2. ἀντὶ πορνῶν = תחת ()ה(זׂנוׂת, d. h. „um der Huren willen“, klingt recht hart. Man erwartet ein Abstraktum: „um der Hurerei willen.“ Demnach wird jedenfalls im hebr. Text ת )ה(זְנוּת, viell. aber auch im griech. ἀ. πορνειῶν anzunehmen sein.
  3. Subjekt sind hier und in V. 11a die heidnischen Feinde. In 12a hingegen sind die von Jerusalem Subjekt. Was die Leute von Jerus. gethan hatten, wird ihnen von den Feinden vergolten (vgl. noch V. 13). Übrigens ist die Abteilung der Stichen hier sehr umstritten.
  4. Als Präsens im Sinne der hebr. Vorlage zu fassen; vgl. Anm. 1. — Zur Sache s. bei 17,10.
  5. Hier die Juden.
  6. Als Präsens im Sinne der hebr. Vorlage zu fassen; vgl. Anm. 1. — Zur Sache s. bei 17,10.
  7. „sieht die Person an“ = יִשָּׂא פָנׅים ist für θαυμάζειν πρόσωπον zu schwach. Der Ausdruck ist nach Hiob 32,21 f. gebildet und entspricht dem hebr. כנּה פ.
  8. V 23b kann nicht nach dem griech. Text, sondern nur nach dem hebr. Original übersetzt werden. συντελεσθήσονται = „sie werden vollendet werden“ giebt keinen Sinn; — όμεθα zu lesen ist willkürlich. Vielmehr erklärt sich der griech. Text aus der Doppelsinnigkeit des hebr. יכלו, das sowohl יׅכְלוּ = συντελεσθήσονται als יְכַלּוּ = συντελοῦσιν gelesen werden konnte. Ähnlich wird in V. 31 in κοιμίζων oder besser κομ. מוֹרׅיד stecken.
Empfohlene Zitierweise:

Rudolf Kittel (Übersetzer): Die Psalmen Salomos. Tübingen: J.B.C. Mohr (Paul Siebeck), 1900, Seite 132. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DiePsalmenSalomosGermanKittelKautzsch2.djvu/006&oldid=1331928 (Version vom 5.11.2010)