Seite:DiePsalmenSalomosGermanKittelKautzsch2.djvu/007

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
25 Zögere nicht, Gott, ihnen auf [ihr] Haupt zu vergelten,
des Drachen Übermut in Schmach zu wandeln[1]!
––––
26 Es dauerte nicht lange, da stellte mir Gott seinen Übermut dar,
[ihn selbst] durchbohrt an den Bergen Ägyptens[2],
verachteter als der Geringste zu Land und zu Wasser,
27 seinen Leichnam umhergetrieben aus den Wogen in gewaltiger Brandung,
und niemand begrub ihn[3],
denn er gab ihn der Verachtung preis.
––––
28 Er hatte nicht bedacht, daß er ein Mensch war,
und hatte das Ende nicht bedacht,
29 hatte gemeint: Ich bin[4] der Herr von Land und Meer,
nicht erkannt, daß Gott groß ist,
stark in seiner gewaltigen Kraft.
30 Er ist König droben im Himmel
und richtet Könige und Reiche.
31 Er erhebt mich zur Herrlichkeit
und ’führt‘[5] die Hoffärtigen zum ewigen Verderben in Schmach,
weil sie ihn nicht erkannten.
––––
32 Nun denn, so seht, ihr Großen der Erde, aus des Herrn Gericht,
weil ein Großer König ist und ein Gerechter, der richtet den Erdboden!
33 Preiset Gott, die ihr den Herrn fürchtet in Einsicht,
denn des Herrn Erbarmen [äußert sich] gegen seine Verehrer beim Gericht,
34 daß er scheide zwischen Frommen und Gottlosen,
den Gottlosen ewig vergelte nach ihren Werken
35 und des Frommen sich erbarme gegenüber dem Drucke des Gottlosen
und dem Gottlosen vergelte, was er dem Frommen angethan.
36 Denn der Herr ist denen gnädig, die ihn in Geduld anrufen,
und handelt nach seinem Erbarmen an den ihm Ergebenen,
daß sie allezeit vor ihm stehen mögen in Kraft[6].
37 Gelobt sei der Herr in Ewigkeit angesichts seiner Knechte!
Der Frommen und der Gottlosen Ergehen[7]
Ein Psalm Salomos über Gerechte.

3

1 Was schläfst du, Seele, und lobst nicht den Herrn?
Ein neues Lied singet Gotte, dem Preiswerten!
2 Singe und erwache zu seinem Dienst[8],
denn Gotte gefällt ein Psalm aus frommem Herzen.
3 Gerechte gedenken allezeit des Herrn;
sie erkennen seine Gerichte als gerecht an.
4 Ein Gerechter achtet es [nicht] gering, wenn er vom Herrn gezüchtigt wird[9];
sein Wohlgefallen hat er doch allezeit.

  1. Hier liegt derselbe Fall vor wie in Anm. 13 S. 132 (s. dort). Die Lesart τοῦ εἰπεῖν darf nicht in εἴκειν oder τρέπειν (Hilgf.) geändert werden. Vielmehr ist, wie Wellh. (Phar. u. Sadd. 133) erkannt hat, למר als Grundlage anzunehmen. Dasselbe konnte (fälschlich) לַמׂר = לֵאמׂר gelesen werden, während es als לְהֺמׅר = לָמׅר gedacht war.
  2. Vgl. Dio Cass. 42,3-5. In der That ist Pompejus auf seiner Flucht vor Cäsar beim ὄρος Κάσιον (mons Casius) in der Nähe von Pelusium ermordet worden. Er blieb eine Zeitlang unbestattet liegen.
  3. Vgl. Dio Cass. 42,3-5. In der That ist Pompejus auf seiner Flucht vor Cäsar beim ὄρος Κάσιον (mons Casius) in der Nähe von Pelusium ermordet worden. Er blieb eine Zeitlang unbestattet liegen.
  4. Vgl. S. 132 Anm. 9
  5. Hier liegt derselbe Fall vor wie in Anm. 13 S. 132 (s. dort). Die Lesart τοῦ εἰπεῖν darf nicht in εἴκειν oder τρέπειν (Hilgf.) geändert werden. Vielmehr ist, wie Wellh. (Phar. u. Sadd. 133) erkannt hat, למר als Grundlage anzunehmen. Dasselbe konnte (fälschlich) לַמׂר = לֵאמׂר gelesen werden, während es als לְהֺמׅר = לָמׅר gedacht war.
  6. d. h. unterstützt ihr Thun und ihre Bestrebungen.
  7. Den Gerechten bringt ein Unglück nicht zu Fall; es mahnt ihn nur an Gottes Gerechtigkeit und läßt ihn auf seine Hilfe hoffen (5), da seinem Haus die Sünde (grundsätzlich) fremd ist (6) und deshalb nur Versehen, die Gott gern vergiebt, bei ihm vorkommen (8). Am jüngsten Tage gehört ihnen das ewige Leben durch die Auferstehung (12). Den Gottlosen hingegen stürzt das Unglück in Verzweiflung (9); wie er grundsätzlich der Sünde verfallen ist, giebt es für ihn keine Rettung (10 f.). Es liegt nahe, auch hier an den Gegensatz der Pharisäer und Sadduzüer zu denken.
  8. Vgl. שֺׁמַר מׅשְׁמֶרֶת
  9. Vgl. Spr 3,11
Empfohlene Zitierweise:

Rudolf Kittel (Übersetzer): Die Psalmen Salomos. Tübingen: J.B.C. Mohr (Paul Siebeck), 1900, Seite 133. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DiePsalmenSalomosGermanKittelKautzsch2.djvu/007&oldid=1331929 (Version vom 4.11.2010)