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Gebet um Regen und Speise[1]
Ein Psalm von Salomo.

5

1 Herr Gott, ich preise jubelnd deinen Namen
inmitten derer, die deine gerechten Gerichte kennen.
2 Denn du bist gütig und barmherzig, die Zuflucht der Armen;
wenn ich zu dir schreie, so schweige mir nicht!
3 Denn nicht nimmt ’man‘ einem Gewaltigen Raub ab,
und wer sollte von allem, das du geschaffen, etwas nehmen, du gebest es denn?
4 Denn ein Mensch und sein Teil ist bei dir abgewogen;
er kann zu dem von dir, Gott, Bestimmten nichts weiter hinzuthun.
5 In unserer Drangsal rufen wir dich an um Hilfe,
und du wirst unsere Bitte nicht abweisen,
denn du bist unser Gott.
6 Laß deine Hand nicht auf uns lasten,
daß wir nicht durch die Not in Sünde fallen!
7 Auch wenn du uns nicht erhörst[2], lassen wir nicht ab,
sondern kommen zu dir.
8 Denn wenn ich hungere, schreie ich zu dir, o Gott,
und du giebst mir.
––––
9 Die Vögel und die Fische nährst du,
indem du der Steppe Regen giebst, damit das Gras sprossen kann.
10 Du schaffst Futter aus der Trift für alles Getier,
und wenn sie hungern, so erheben sie ihr Antlitz zu dir.
11 Die Könige, Fürsten und Völker nährst du, o Gott,
und wer ist des Armen und Dürftigen Hoffnung, wenn nicht du, Herr?
12 Du wirst hören, denn wer ist gütig und freundlich außer dir?
Erfreue die Seele des Armen und öffne erbarmend deine Hand!
––––
13 Des Menschen Güte ist karg und [nur] um Lohn[3],
und wenn [ein]er [sie] ohne Murren zum zweiten Mal übt, so ist das zum Verwundern.
14 Aber deine Gabe ist groß, voll Freundlichkeit und reichlich,
und wessen Hoffnung auf dich geht, der hat keinen Mangel[4] an Gaben.
15 Über die ganze Erde, Herr, [reicht] deine erbarmende Güte.
––––
16 Wohl dem, dessen Gott in hinreichendem Maße gedenkt;
hat der Mensch Überfluß, so gerät er in Sünde.
17 Es genügt das Mittelmaß, ohne Schuld,
und darin [ruht] des Herrn Segen, daß man satt werde ohne Schuld.
––––
18 Die den Herrn fürchten, dürfen[5] sich des Segens freuen,
und deine Güte [komme] über Israel in deinem Reich!
19 Gepriesen sei des Herrn Majestät, denn er ist unser König!


Segen des Gebets.
In Hoffnung, von Salomo.

6

1 Wohl dem Manne, dessen Sinn bereit ist, des Herrn Namen anzurufen;
wenn er des Namens des Herrn gedenkt, wird er errettet werden.
2 Seine Wege werden vom Herrn geebnet,
und seiner Hände Werk vom Herrn, seinem Gotte, bewacht.

  1. Das Lied ist zur Zeit einer Dürre gedichtet; vgl. 2,9. 17,19.
  2. Hebr. חַשׁׅיב, eigentl. herstellst, erquickst.
  3. ἐν φειδοῖ (nicht φίλῳ) καὶ ἡ αὔριον. In dem letzteren scheint מחר zu stecken, was sowohl מֺחֺר αὔριον als מְחׅר Lohn gelesen werden konnte. Also etwa: וּכׅמְחׅר (Frankenb.).
  4. οὐ φείσεται giebt keinen genügenden Sinn. Frankenb. vermutet einen Irrtum der hebr. Vorlage (יחוס für יחסר).
  5. Der griech. Optativ paßt wenig in den Zusammenhang. Es fragt sich, ob ישמחו der hebr. Vorlage nicht einfach als Indikativ gemeint war.
Empfohlene Zitierweise:

Rudolf Kittel (Übersetzer): Die Psalmen Salomos. Tübingen: J.B.C. Mohr (Paul Siebeck), 1900, Seite 136. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DiePsalmenSalomosGermanKittelKautzsch2.djvu/010&oldid=1331932 (Version vom 4.11.2010)