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hinübergeschickt wurde[1]. 142 Ebenso schickte sie heimlich den Poseidon hinüber. 143 Zum dritten gebar Rhea, die Hehre unter den Frauen, den Pluton, 144 als sie bei Dodona vorüberging, woher der feuchte Pfad 145 des Flusses ’Europos‘[2] ausging, und das Wasser in das Meer ’rann‘[3] 146 mit dem Peneios vermischt; den stygischen [Fluß] nennt man ihn. 147 Als aber die Titanen erfuhren, daß heimlich Söhne da waren, 148 welche Kronos und seine Gemahlin Rhea erzeugt hatten, 149 da sammelte Titan seine sechzig Söhne 150 und hielt den Kronos und seine Gemahlin Rhea in Fesseln 151 und barg sie in der Erde und hütete sie in Banden. 152 Und da erfuhren es die Söhne des gewaltigen Kronos 153 und erregten gegen ihn großen Krieg und Kampfgetümmel. 154 Dies ist der Anfang des Kriegs für alle Sterblichen; 155 denn dies ist für die Sterblichen der erste Anfang des Kriegs[4]. 156 Und da verlieh Gott den Titanen Unheil 157 Und alle Nachkommen der Titanen und des Kronos 158 starben. Aber dann im Umschwunge der Zeit 159 entstand das Königreich Ägyptens, dann [das] der Perser, 160 der Meder, der Äthioper und des assyrischen Babylon, 161 dann das der Makedonier, wiederum das von Ägypten, dann das von Rom.

162 Und da ’trat‘[5] mir die Rede des großen Gottes ins Herz 163 und hieß mich weissagen auf der ganzen 164 Erde und den Königen und ihnen das Künftige in den Sinn legen. 165 Und dies zuerst hat mit Gott ’in den Geist‘[6] gegeben, 166 wie viele Königreiche der Menschen zusammenkommen.

167 Zuerst nämlich wird das salomonische Haus regieren 168 die Bewohner (?) Phönikiens und Asiens (?) und auch der anderen 169 Inseln und das Geschlecht der Pamphyler, Perser, Phryger, 170 Karer und Myser, sowie das Geschlecht der goldreichen Lyder. 171 Aber alsdann [werden regieren] die übermütigen und unkeuschen Hellenen. 172 ’Dann‘[7] wird Makedoniens großes, kluges (?) Geschlecht herrschen, 173 welche als furchtbare Wolke des Kriegs den Sterblichen kommen werden. 174 Aber der himmlische Gott wird dasselbe von Grund aus verderben.

175 Aber alsdann wird der Anfang eines anderen Königreiches sein, 176 weiß und vielköpfig, von dem westlichen Meere, 177 welches über vieles Land herrschen, viele erschüttern 178 und allen Königen nachmals Furcht erregen wird; 179 vieles Gold und Silber wird es erbeuten 180 aus vielen Städten. Wiederum aber wird auf der hehren Erde 181 Gold sein, sodann auch Silber und Schmuck. 182 Und sie werden die Sterblichen bedrücken; aber ’ein großer Sturz‘[8] wird jenen Männern widerfahren, 183 wenn sie anfangen mit dem ungerechten Übermut. 184 Alsbald aber wird unter diesen Zwang der Gottlosigkeit sein: 185 Männliches wird sich mit Männlichem begatten, und ihre Knaben werden sie hinstellen 186 in schändliche Häuser. Und es wird in jenen Tagen 187 große Bedrängnis unter den Menschen sein und alles verwirren, 188 alles zusammenschlagen und alles mit Unheil erfüllen, 189 durch Habgier schimpflichen Lebens, durch Reichtum aus bösem Gewinn, 190 in vielen Ländern, am meisten aber in Makedonien. 191 Und sie wird Haß erregen, und jede Arglist wird bei ihnen sein, 192 bis zum siebenten Königreich, über welches regieren wird 193 ein König Ägyptens, der von Abkunft aus den Hellenen sein wird. 194 Und dann wird das Volk des großen Gottes wieder stark sein, 195 welche allen Sterblichen die Wegweiser des Lebens sein werden. 196 Aber was hat mir Gott in den Sinn gelegt, auch dies zu sagen, 197 was zuerst, was dann, was zuletzt für Unheil kommen wird 198 über alle Menschen, was hiervon der Anfang sein wird?


  1. Δία wird von δια(πέμπειν) abgeleitet.
  2. Alex. für Eurotos oder -tas. Die Gegend ist in Thessalien nahe dem Olympos; auch dort soll es ein Dodona gegeben haben.
  3. Auch „rann“ ist Besserung Alex.s für eine sinnlose Verschreibung.
  4. 155 ist offenbar nur andere Fassung für 154 (Alex.).
  5. Rzach für ’flog‘, nach 298 und 491, wo diese Verse wiederkehren.
  6. Opsopoeus nach V. 300; hier die Hschr. „allein“ oder Lücke.
  7. Volkmann nach 161; Hdschr. „ein anderes“ (Geschleccht u. s. w.).
  8. Rzach nach I, 391 f. (hier Hdschr. „hinterdrein(?) werden Stürze sein (widerfahren)“.
Empfohlene Zitierweise:

Friedrich Blass (Übersetzer): Die Sibyllinen. Tübingen: Mohr Siebeck, 1900, Seite 188. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DieSibyllinenGermanBlassKautzsch2.djvu/12&oldid=1959562 (Version vom 24.02.2013)