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Himmel her wird er über dich aus dem Heiligtum herabsteigen, 309 und der Ewige wird dich ’mitsamt deinen‘[1] Kindern verderben. 310 Und dann wirst du sein, wie du vordem warst, wie nie dagewesen, 311 und dann wirst du erfüllt werden von Blut, wie du es vorher selbst 312 vergossen hast von guten Männern und von gerechten Männern, 313 deren Blut auch jetzt noch zum hohen Himmel schreit.

314 Kommen wird dir, Ägypten, ein großer Schlag über deine Häuser, 315 ein schrecklicher, wie du niemals erwartet hast, daß er dir käme. 316 Denn das Schwert wird mitten durch dich hindurchdringen, 317 und Zerstreuung und Tod und Hunger wird dich einnehmen, 318 im siebenten Geschlechte der Könige, und dann wirst du aufhören.

319 Wehe, wehe dir, Land des Gog und Magog, das du mitten zwischen 320 den äthiopischen Flüssen liegst; wie viel vergossenes Blut wirst du aufnehmen! 321 Und du wirst das Haus des Gerichts unter den Menschen heißen, 322 und es wird deine vielbenetzte Erde schwarzes Blut trinken.

323 Wehe, wehe dir, Libyen; wehe, wehe, Meer und Land! 324 Töchter des Westens, wie werdet ihr kommen zu bitterem Tage; 325 kommen werdet ihr [dazu] und verfolgt von hartem Kampfe, 326 schrecklichem und hartem. Ein schreckliches Gericht wird wiederum sein, 327 und mit Zwang werdet ihr alle ins Verderben kommen, 328 dafür, daß ihr das große Haus des Unsterblichen vernichtet 329 und schrecklich zerbissen habt mit eisernen Zähnen. 330 Dafür wirst du dein Land voll von Leichen sehen müssen, 331 teils vom Krieg und dem ganzen Ansturm des Dämons [Schicksals], 332 Hunger und Pest, [teils] von barbarisch gesinnten Feinden. 333 Dein ganzes Land wird von dir verlassen sein ....[2].

334 Im Westen aber wird ein Stern leuchten, den sie einen Haarstern nennen werden, 335 von Schwert und Hunger und Tod für die Menschen das Zeichen, 336 und ’vom Morde‘[3] der Führer und großer hervorragender Männer.

337 Wiederum werden sehr große Zeichen unter den Menschen sein; 338 denn auch ’den maiotischen Sumpf‘[4] wird der tiefwirbelnde Tanais verlassen, 339 und in der tiefen Strömung wird die fruchttragende Furche sein, 340 und die ungeheure Flut wird die Landenge einnehmen. 341 Schlünde und gähnende Erdstürze; viele Städte 342 werden mitsamt den Bewohnern zusammenstürzen: in Asien Jassos, 343 Kebren, Pandonia (?), Kolophon, Ephesos, Nikaia, 344 Antiocheia, ’Syagra‘[5], Smyrna, ’Myrine‘ (?)[6], 345 ’Gaza, das glückselige, Hieropolis, Astypalaia‘[7]; 346 von Europa ’Tanagra‘[8], ’Kleitor‘ (?) [9], Basilis, Meropeia, 347 Antigone[10], Magnesia, Mykene, ’Oiantheia‘ (?) [11]. 348 Wisse dann, verderbliches Geschlecht Ägyptens, ’das Verderben ist nahe‘[12], 349 und dann ist für die Alexandriner das vergangene Jahr besser.

350 ’Wieviel von dem tributbringenden‘[13] Asien Rom empfangen hat, 351 dreimal so viel Gold wird wiederum Asien 352 von Rom empfangen und wird an ihm den verderblichen Übermut rächen. 353 Wieviele aber aus Asien im Hause der Italer Knechte gewesen sind, 354 zwanzigmal so viel Italer werden in Asien dienen 355 in Armut, und sie werden jeder Tausende schulden.


  1. Rzach für „der (ewige) Zorn“, wobei „den Kindern“ ohne Konstruktion bleibt.
  2. Hdschr. „und verlassen (Neutr. Plur.) der Stadt“ (Gen.) die Fortsetzung fehlt.
  3. Rzach; Hdschr. „das Verderben“ (Accus.)
  4. Alex.; Hdschr. im Nominativ.
  5. Alex. (Meineke) hat um der Geographie willen die Namen Syagra (in Kilikien) und Tanagra (in Böotien), die in den Hdschr. (diese Skyagra oder Kyagra) umgekehrt stehen, vertauscht.
  6. Ganz unsicher (Alex.); Hdschr. Maros oder Marosyne.
  7. Der von Alex. hierher gestellte Vers steht in den Hdschr. (gegen die Geographie) am Schlusse des Satzes vor „Wisse denn“. Ob „Hierapolis“ oder „heilige Stadt“ (zu Gaza), ist unsicher, desgl. „Astypalaia“(Alex.; ἀστυπαλεοῖο Hdschr.; Astyp. Insel b. Rhodos).
  8. Siehe die drittletzte Anmerkung
  9. Rzach; Hdschr. κλίτος (Kl. in Arkadien, wo auch Basilis).
  10. D. i. Mantinea in Arkadien.
  11. Meineke (Oi. in Lokris); Hdschr. Pantheia.
  12. Rzachs Vermutung; Hdschr. „nahe dem V.“
  13. Alex.; Hdschr „wann“ und „trib.“ im Acc. Plur.
Empfohlene Zitierweise:

Friedrich Blass (Übersetzer): Die Sibyllinen. Tübingen: Mohr Siebeck, 1900, Seite 191. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DieSibyllinenGermanBlassKautzsch2.djvu/15&oldid=1959565 (Version vom 24.02.2013)