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Reinheit des Lagers 596 und mischen sich nicht unkeusch mit der männlichen Jugend, 597 wie die Phöniker, die Ägyptier und Latiner 598 und das weite Hellas und die vielen Völker der anderen, 599 der Perser und Galater und des ganzen Asiens, übertretend 600 das heilige Gesetz des großen Gottes, welches sie übertreten haben. 601 Dafür wird der Unsterbliche allen Menschen bereiten 602 Unheil und Hungersnot und Leiden und Seufzen 603 und Krieg und Pest und thränenreiche Schmerzen, 604 weil sie den unsterblichen Erzeuger aller Menschen 605 nicht fromm ehren wollten, sondern Götzenbilder ehrten, 606 Werke von Menschenhand hochhaltend, welche die Menschen selbst fortwerfen werden, 607 in Felsspalten sie verbergend[1] des Schimpfes wegen, 608 wenn über das Land Ägypten ein neuer König herrscht, als siebenter 609 des eigenen ’Geschlechts‘[2] gezählt, von der Herrschaft der Hellenen an, 610 in welcher herrschen werden die Makedonier, die unsäglichen Männer, 611 und wenn dann aus Asien ein großer König kommt, ein mutvoller Adler, 612 der das ganze Land mit Fußvolk und Reitern bedecken wird 613 und alles zerschlagen und alles mit Unheil erfüllen 614 und zu Boden werfen wird Ägyptens Königreich; alle 615 Schätze herausnehmend fährt er davon über den breiten Rücken des Meeres. 616 Und dann werden sie dem großen Gotte, dem unsterblichen Könige, 617 das weiße Knie beugen auf der vielnährenden Erde; 618 die Werke von Menschenhand aber werden alle fallen in der Flamme des Feuers. 619 Und dann wird Gott große Freude den Männern geben; 620 denn die Erde und die Bäume und die unsäglichen Herden der Schafe 621 werden den Menschen die wahre Frucht geben, 622 mit Wein und süßem Honig und weißer Milch 623 und Korn, was den Menschen das Allerschönste ist.

624 Aber du, klugdenkender Sterblicher, ’säume‘[3] nicht zögernd, 625 sondern ’zurück‘ dich wendend suche Gott zu versöhnen[4]. 626 Opfere Gott Hunderte von Stieren und auch von 627 erstgeborenen Lämmern und von Ziegen in den wiederkehrenden Jahreszeiten. 628 Aber[5] suche ihn zu versöhnen, den unsterblichen Gott, ob er sich erbarme. 629 Denn dieser allein ist Gott, und es giebt keinen anderen mehr. 630 Ehre aber die Gerechtigkeit und drücke Niemanden. 631 Denn dies befiehlt der Unsterbliche den elenden Sterblichen. 632 Aber du hüte dich vor dem Zorne des großen Gottes, 633 wenn allen Sterblichen die Vollendung der Pest 634 kommt, und sie furchtbare Strafe leiden bewältigt, 635 und ein König den König angreift und sein Land wegnimmt, 636 und Völker die Völker verderben und die Mächtigen die Stämme, 637 die Führer aber alle in ein anderes Land fliehen, 638 und das Land der Menschen verwandelt wird, und barbarische Herrschaft 639 ganz Hellas verwüstet und das fette Land 640 ausschöpft vom Reichtum, und sie ihnen entgegenkommen zum Streit 641 um des Goldes und Silbers willen — es wird 642 die Habgier Übel bereiten den Städten — 643 in fremdem Lande. Unbegraben werden alle sein, 644 und ihr Fleisch werden die Geier und die wilden Tiere der Erde 645 verderben. Wenn nun dieses erfüllt wird, 646 wird die ungeheure Erde die Überreste der Toten aufzehren. 647 Sie selbst aber wird ganz unbesät und ungepflügt sein, 648 verkündend, die Arme, den Greuel der ... [6] Menschen, 649 viele Längen der Zeiten im Umschwunge der Jahre, 650 runde und lange Schilde und Wurfspieße und mannigfaltige Waffen, 651 und nicht wird sich ’jemand‘ aus dem Walde Holz abhacken für den Schein des Feuers[7].

652 Und dann wird Gott von Sonnenaufgang her einen König senden, 653 der auf der ganzen Erde dem bösen Krieg ein Ende machen wird, 654 indem er die einen tötet, mit den anderen


  1. Vgl. Jes. 2, 20 f.
  2. Castalio; „Landes“ Hdschr. Für die Bedeutung vgl. Einltg. S. 182.
  3. 624 und 625 werden von Clemens aus Orpheus citiert; vgl. über das ganze Stück 624-701 Einltg. S. 182. Aus Cl. stammt „säume“ statt „übelgesinnter“ (Vokat.) der Hdschr. und „zurück“; Hdschr. „den Reichtum verlassend“.
  4. Siehe letzte Anmerkung.
  5. Es ist mit „aber“ („sondern“) Anschluß an 624 (625 im Sinne = 628) oder an 623.
  6. Hdschr. „unzähliger“, gegen das Versmaß.
  7. Vgl. 729 ff., wo ähnliche Verse mehr in Zusammenhang stehen. „Jemand“ Gfrörer, damit der Satz ein Subjekt bekommt.
Empfohlene Zitierweise:

Friedrich Blass (Übersetzer): Die Sibyllinen. Tübingen: Mohr Siebeck, 1900, Seite 197. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DieSibyllinenGermanBlassKautzsch2.djvu/21&oldid=1959571 (Version vom 24.02.2013)